Das Traumschiff

In dieser Geschichte kommt Dr. Marc Meier aus Doctor’s Dairy vor. Mein erster Versuch für eine Fanfiction.
Dr. Meier ist eine Saison Schiffsarzt bevor er als Chirurg in die Klinik geht. Ich hoffe, die Geschichte gefällt.

Sophie befand sich mit ihrer Mutter Barbara anlässlich deren 70. Geburtstages auf der MSC Magnifica zu einer Ägäiskreuzfahrt. Sie waren gemeinsam mit Sophies Tochter Mia in einer luxuriösen Außenkabine mit traumhaften Ausblick untergebracht. Bereits am ersten Morgen wurde die See etwas rauh und ließ das große Schiff unruhig auf den Wellen schaukeln. Am Abend war den drei Damen bereits so schlecht, dass sie keinen Bissen mehr bei sich behalten konnten. Abwechselnd beugte sich eine von ihnen über die Toilette, um sich zu übergeben. Zu allem Übel war es untertags sehr heiß und die Klimaanlage defekt, weshalb es in der Kabine warm und stickig war.

Die Jubilarin hatte es am schlimmsten von allen dreien getroffen. Sie konnte nicht einmal mehr schluckweise Wasser bei sich behalten. Ihre Haut war fahl und blass. Ihr Mund war ganz trocken und sie fühlte sich sehr erschöpft. Matt lag sie in ihrem Bett und hoffte beinahe schon auf die süße Erlösung des Todes, so schlecht war ihr.

Sophie hatte zwar etwas mehr Kraft als ihre Mutter, jedoch litt sie unter krampfartigen Schmerzen im Unterbauch vom häufigen Erbrechen. Die meiste Zeit kauerte sie zusammengerollt in ihrem Bett oder auf den kühlen Fliesen im Badezimmer.

Mia fühlte sich zwar auch nicht besonders fit, aber ihr Zustand war nicht mit jenem ihrer Mutter oder Großmutter zu vergleichen. Die Achtzehnjährige machte sich auf den Weg zur Rezeption, um dort nach dem Schiffsarzt zu fragen. Sie war überzeugt, dass ihr ein wenig frische Luft gut tun würde. Langsam aber stetig ging sie nach draußen und konzentrierte sich darauf, gleichmäßig ein- und auszuatmen.

An der Rezeption stand eine junge, schlanke Frau mit blondem Haar, die sofort auf die hübsche Mia aufmerksam wurde und fragte, wie sie ihr behilflich sein konnte. „Meiner Mutter und Großmutter geht es nicht gut und sie müssen sich ständig übergeben. Wäre es vielleicht möglich, dass der Schiffsarzt in unsere Kabine kommt?“ „Selbstverständlich, ich werde mich sofort darum kümmern!“ antwortete die Rezeptionistin mit einem mitfühlendem Lächeln.

Dr. Marc Meier war gerade an Deck gegangen. Lässig lugte eine Zigarette aus seinem Mundwinkel, die er sich soeben anzünden wollte, als ein Ruf auf seinem Funkgerät einging. „Herr Dr. Meier Cabin Visit in 402. Zwei Damen leiden unter Übelkeit und benötigen Ihre Hilfe.“ Etwas gelangweilt quittierte der überaus gut aussehende Arzt den Funkspruch und steckte die Zigarette zurück ins Packerl. Unmotiviert, jedoch pflichtbewusst begab er sich auf den Weg zur Krankenstation, um seine Arzttasche zu holen.

Zwischenzeitlich war auch Mia wieder zurück in ihrer Kabine angelangt. Ihr war etwas schwindelig, aber sie wollte sich nicht hinlegen. Schließlich erwartete sie jeden Moment den Schiffsarzt, dem sie Türe öffnete musste. Ihrer Mutter oder Großmutter war diese simple Aufgabe nicht mehr zuzumuten. Besorgt sah sie zu den beiden hinüber, wie sie leidend in ihren Betten lagen. Als es energisch an der Tür klopfte, ging Mia an der Wand entlang, um sich ein wenig abzustützen. Schwach schleppte sie sich zur Tür, um diese zu öffnen. Als sie Dr. Meier sah, wie er so vor ihr stand, verstärkte sich ihr Schwindelgefühl und ihr Herz schlug deutlich schneller als zuvor. Eine dunkle Haarsträhne fiel ihm in die Stirn und betonte das Grün seiner Augen. „Dr. Meier, der Schiffarzt“ stellte er sich barsch bei Mia vor. „Wo sind die beiden Patientinnen?“. Sprachlos durch sein blendendes Aussehen und irritiert von seiner unhöflichen Art, deutete Mia auf die Schlafabteile im hinteren Teil der Kabine. Mit der Arzttasche in der Hand ging Dr. Meier an Mia vorbei zu Barbara und Sophie. Er erkannte sofort, dass es Barbara am schlechtesten ging und sie als erste seine Hilfe brauchte. Auch bei ihr stellte er sich kurz vor, während er ihr am rechten Handgelenk den Puls fühlte. Konzentriert blickte er dabei kurz auf seine teure Designerarmbanduhr. „Leicht tachykard bei 104“ sagte er wohl eher zu sich selbst, als zu jemand anderem in diesem Raum. „So, Frau…“ hob er an, als ihm bewusst wurde, dass er nicht einmal den Namen seiner Patientin wusste. „Sterner“, krächzte Barbara kraftlos. Ihre Augen hielt sie geschlossen, es kostete sie einfach zu viel Mühe, sie zu öffnen.

Fortsetzung folgt…drei Patientinnen – drei Geschichten.

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