Die Gretchen-Frage – Teufels Küche II

Nachdem ich selbst länger krank war, hat der nächste Teil der Geschichte etwas auf sich warten lassen. Sorry dafür! Jetzt gehts mir ja auch wieder gut und ab Mittwoch habe ich wieder mehr Zeit zum Schreiben!

Schönen Abend,

Lana

Als Margarete aus dem Behandlungsraum geführt wurde, döste vor sich hin und schien nichts von der Welt um sie herum mit zu bekommen. Eine grüne OP-Haube verdeckte ihr seidiges, braunes Haar und ließ sie noch blasser aussehen. Heinirch war sofort zur Stelle und nahm ihre eiskalte Hand. Sie hatte immer noch den Zugang in der Ellenbeuge und wurde darüber weiterhin mit Flüssigkeit und Schmerzmitteln versorgt. Um den anderen Arm war eine Blutdruckmanschette angelegt. Aus dem gemusterten OP-Hemd schauten Kabeln hervor, die zu den EKG-Elektroden gehörten. An ihrem rechten Ringfinger steckte der Fingerclip, der den Puls und die Sauerstoffsättigung registrierte. Zu Margaretes Füßen war ein Transportmonitor an der Liege angebracht, der leise vor sich hin piepte. Heinrich konnte gar nicht anders, als sich die Vitalparameter anzusehen. Zum Glück schien Gretchens Zustand momentan stabil zu sein. Wie ernst die Lage tatsächlich war, konnte Heinrich nur erahnen. Zugedeckt mit einem weißen Krankenhauslaken wirkte Gretchen klein und zerbrechlich, wie sie so da lag. Zärtlich strich er über ihre Wange. Für Gretchen schien diese Berührung von unendlich weit her zu kommen und auch die Stimme, die warmherzig zur ihr durchdrang, hörte sich wie aus großer Ferne an. Doch sie erkannte, dass es Heinrich war, der sie berührte und mit ihr sprach. So gerne hätte sie seinen Namen gerufen, aber ihre Stimme war wie erstickt. Nicht einmal ein Flüstern brachte sie über ihre Lippen. Sie schaffte es nicht, die Augen zu öffnen. Zu tief wurde sie in diese dunkle, jedoch warme Welt gesogen, in der alles weich und flauschig war. Nichts war grell oder laut und nichts tat ihr weh.
„Bitte Vera, ich flehe dich an! Sag mir, was los ist! Ich werde hier noch wahnsinnig!“, wandte sich Heinrich an die Ärztin. „Heinrich, du weißt, ich kann nicht. Wir müssen jetzt wirklich weiter in den OP“, antwortete sie bereits im weitergehen. Mit quietschenden Schuhen fuhren Schwester Gabi und ein OP-Gehilfe mit Margarete zum Aufzug. Heinrich wollte einsteigen und mit rauf fahren, bis zur OP-Schleuse. Doch Schwester Gabi hielt ihn davon ab. „So leid es mit tut, Herr Dr. Bach, aber ab hier ist der Zutritt nur für Personal erlaubt“. Am liebsten hätte er Margarete in seine Arme geschlossen und einfach nur fest gehalten. Stattdessen gab er ihr einen liebvollen, sanften Kuss auf ihre Wange und ließ langsam ihre Hand los.
Als sich die Aufzugtüren hinter ihm schlossen, fühlte es sich für ihn an, als hätte ihm jemand einfach sein Herz herausgerissen. Eine tiefgehende Leere erfasste ihn und erfüllte ihn mit unsagbarer Traurigkeit. Die Sorgen um Gretchen raubten ihm fast die Luft zum Atmen. Sein Instinkt wollte ihn an die frische Luft schicken, doch er wollte unbedingt hier sein, wenn Margarete aus dem OP-Saal zurückkam. Obwohl sie gerade erst dorthin gebracht worden war und die OP wahrscheinlich noch gar nicht begonnen hatte, kam es ihm wie eine Ewigkteit vor, dass er Margarete zuletzt gesehen hatte. Heinrich hatte keine Ahnung, wie lange Gretchens Operation dauern würde, aber er wusste, dass ihm die Wartezeit endlos lang erscheinen würde. Unruhig wanderte er auf dem Gang auf und ab.
Ums Eck fand er einen Wartebereich mit ein paar bequemeren Stühlen und auch einem Kaffeeautomaten. Daneben hing eine große Uhr, die endlos langsam die Minuten verstreichen ließ. An der anderen Wand hing ein großer Bildschirm, über den stumm irgendein Film lief. Wer würde sich in solch einer Situation hierhinsetzen und sich tatsächlich einen Film ansehen, fragte sich Heinrich, der die ganze Zeit über nur an sein Gretchen denken konnte. Zwischendurch schlichen immer wieder böse Gedanken in seinem Kopf herum. Was ist, wenn etwas schief geht oder sie die Narkose nicht verträgt? Plötzlich fielen ihm alle möglichen Komplikationen ein, die eine Operation mit sich brachte. Normalerweise beschwichtigte er seine Patienten immer und erklärte, dass es nur selten zu außerordentlichen Vorfällen kam, die man nicht kontrollieren konnte. Dass alles Routine war. Aber nun war alles anders. Nun stand er auf der anderen Seite und sein Kummer war so schwer wie Blei. Er fürchtete um Gretchens Leben, als ob er um sein eigenes bangen würde. Schlagartig wurde ihm bewusst, warum er so in Sorge um sie war. Er liebte sie.

Zwischenzeitlich lag Gretchen schon auf dem OP-Tisch und wandelte durch die wohlige Dunkelheit bis sie sich auf einmal in Michaels Wohnung wieder fand.
Sie war da, um ihren Laptop abzuholen, den er für sie repariert hatte. Nach ihrer Trennung vor ein paar Monaten waren sie Freunde geblieben. „Und wie siehts aus? Läuft er wieder?“, erkundigte sich Gretchen nach dem Zustand ihres MacBook Air. „Ja, er läuft wieder. Dein Speicherplatz war schon fast aufgebraucht, um dieses Problem habe ich mich auch gekümmert. Bei der Gelegenheit habe ich auch deinen Verlauf gecheckt. Interessant, auf welchen Seiten du so surfst“, stellte er mit finsterer Miene fest. Gretchen lief knallrot an. Nun war er schließlich doch hinter ihr Geheimnis gekommen. Daran hätte sie wohl früher denken müssen, dass ein IT-Spezialist einen Laptop wie ein offenes Buch lesen kann. Eigentlich hätte sie wütend sein müssen, über die Verletzung ihrer Privatsphäre, doch in diesem Moment schämte sie sich zu sehr, um irgendetwas zu sagen. „Das war es also, was du jeden Abend „recherchiert“ hast“, sagte er mit düsterer Stimme. Obwohl er keinen Streit provozieren wollte, konnte er nicht anders. Die Frustration der letzten Monate sprudelten aus ihm nur so heraus. Da ihr nichts Besseres einfiel, versuchte sie alles zu leugnen. Die Wahrheit würde er ohnehin nicht verstehen. „Ich weiß nicht, wovon du sprichst“, behauptete sie steif und fest. „Gretchen, das weißt du also nicht?“, fragte er mit einem süffisanten Unterton. „Vielleicht sollte ich dich dann lieber Bambi nennen? Spöttisch sah er sie an. Margarete verlor ihre Fassung, die sowieso nur eine Fassade gewesen war. „Du hast meinen Account gehacked??? Sag mal spinnst du? Das ist doch illegal, dafür könnte ich dich anzeigen!“, fuhr sie ihn an. „Nicht, wenn du überall dasselbe Passwort verwendest. Und übrigens, Espana2020 ist kein sicheres Passwort“, schrie er zurück und funkelte sie mit seinen dunklen Augen böse an. „Ich bin dir keine Rechenschaft mehr schuldig. Ich nehme jetzt meinen Laptop und gehe!“ Zielsicher stürmte sie auf die Eingangstüre zu. Michael baute sich in voller Körpergröße vor ihr auf und versperrte ihr den Weg. Er überragte sie um gut dreißig Zentimeter. Michael war auch durchtrainiert und so wusste Gretchen, gab es für sie momentan kein Entrinnen. „Komm, ich möchte dir etwas zeigen“, sprach er deutlich versöhnlicher und nahm ihre Hand. Widerwillig folgte sie ihm ins Schlafzimmer. In der Mitte des frisch bezogenen Bettes lag an ein Stethoskop. Gretchen erkannte natürlich sofort die Marke sowie das Modell, sagte jedoch zunächst nichts. Gespannt wartete er ihre Reaktion ab. „Du stehst also auf Doktorspielchen“ eröffnete Michael das Gespräch. Seine Ex-Freundin gab ihm auf diese Feststellung keine Antwort. Erst jetzt fiel ihr auf, dass er ein weißes Poloshirt trug, was normalerweise nicht sein Stil war. Er griff nach ihrem Handgelenk und versuchte ihren Puls zu tasten. Tollpatschig fummelte er an ihrem Handgelenk herum. Obwohl er den Radialispuls nicht ertastet hatte, meinte er: „Du scheinst ein wenig nervös zu sein, vielleicht sollte ich dich besser Askultieren“. Er lächelte sie an. Michael war sichtlich bemüht, aber Margarete verstand nicht, was er von ihr wollte. Machte er sich etwa lustig über sie? Zog er ihren Fetisch für weiße Erotik ins Lächerliche? „Michael, was soll das alles?“, fragte sie und massierte sich währenddessen ihre Schläfen. „Ich habe einiges über weiße Erotik gelesen und ich habe mir gedacht, wir könnten das doch einfach mal ausprobieren. Ich will dich nicht verlieren! Ich liebe dich noch immer!“, platzte es aus ihm heraus. „So einfach ist das alles nicht“, versuchte sie ihn abzuwehren. „Du hast wohl schon einen Neuen? Diesen Doc4Real wahrscheinlich, oder?“, ging er erneut auf sie los. „Nicht, dass es dich etwas angeht, aber ich habe keinen neuen Freund. Ich will jetzt wirklich gehen“, beharrte Gretchen, doch Michael ließ nicht locker. „Bitte, Gretchen! Ich will es versuchen! Lass mich dein Hobby-Arzt sein!“ Oh Gott, dachte Gretchen. Der macht das ja total furchtbar! So hätte ich mir das im Leben nicht vorgestellt. Irgendwie tat er ihr auch leid. Er bemühte sich wirklich. Aber wo waren diese Bemühungen und dieses Verständnis vor ein paar Monaten gewesen? Sanft führte Michael Gretchen zum Bett und brachte sie dazu, sich hinzulegen. Langsam öffnete er die oberen Knöpfe ihrer Bluse. Dann griff er nach dem Stethoskop, um sich möglichst umständlich die Oliven in seine Ohren zu stecken und das auch noch verkehrt herum. Ungeachtet ihrer Anatomie legte er die kalte Membran an irgendeiner x-beliebigen Stelle ihres Brustkorbes auf. Gebannt lauschte er, um Gretchens Herzschlag zu hören. Doch eigentlich hörte er nichts. Unbeirrt machte er weiter. „Dein Herz klopft ganz schön schnell, das muss ich mir mal genauer anhören“, meinte er, legte das Stethoskop zur Seite und bettete seinen Kopf auf ihrem weichen Busen. Alles was sie noch sah, war sein volles, braunes Haar. Unwillkührlich sog sie seinen Duft ein. Er roch so verdammt sexy. Sie konnte es nicht beschreiben, er roch einfach nach Michael. „Ohne BH geht es sicher besser“, schlug er vor und schob das Stückchen Stoff gekonnt zu Seite. Margarete fragte sich gerade, warum sie sich das antat. Die Beziehung war vorbei und nicht wieder zu kitten. Außerdem traf sie sich mit Heinrich und mit ihm machten die Doktorspielchen richtig Spass. Hingebungsvoll liebkoste Michael ihre Brustwarzen, was ihr ein lustvolles Stöhnen entlockte und sie aus ihren Gedanken riss. Ach ja, deswegen! Mit einer Hand öffnete er die restlichen Knöpfe ihrer Bluse. Er küsste ihren Bauch und verschwendete keine Zeit. Rasch knöpfte er ihre Jeans auf und griff wieder nach dem Stethoskop. „Soll der Onkel Doktor mal hören, was in deinem Höschen so abgeht?“, fragte er mit einem verschmitzten Grinsen. „Oh Gott; nein!“,rief sie eine Spur zu laut. Michael sah sie perplex an. Leg das Ding weg und bring es endlich zu Ende, dachte sich Gretchen, die diese Mitleidsnummer nur mehr hinter sich haben wollte. Margarete setzte ein honigsüßes Lächeln auf und hauchte ihm ins Ohr: „ Leg‘ das Stehtoskop beiseite und verwöhn‘ mich mal so richtig, Herr Doktor“. Bei diesen letzten Worten hätte sie am liebsten lauthals los gelacht. Michael war dermaßen schlecht und überhaupt nicht überzeugend als Hobby-Doc, aber sie wollte trotzdem seine vergebenen Bemühungen belohnen. Vielleicht würde ein letztes gemeinsames Mal ihm helfen, endlich abzuschließen. Und einmal Sex mit dem Ex hatte doch schließlich jeder, oder?

Deine Stimme zählt!
[Total: 0 Average: 0]

0 Replies to “Die Gretchen-Frage – Teufels Küche II”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.