Die Grippeimpfung

Seit einiger Zeit arbeite ich nebenher in der Ordination von Frau Dr. Aurora Barelli. Sie ist Ärztin für Allgemeinmedizin. Zum Team gehören außer mir noch zwei ältere Arztassistentinnen und Paolo, Auroras Sohn, der neben dem Studium inder Praxis aushilft. Ich bin die einzige Krankenschwester und die Jüngste von allen.

Beim letzten Teamgespräch hat uns Aurora (wir sind hier alle untereinander per Du) gefragt, wer Interesse an der Grippeimpfung hätte. Sie würde dies sehr befürworten, gerade jetzt zu Beginn der Grippezeit. Nachdem keiner etwas sagte, wandte sich Aurora direkt mir zu. „Was ist mit dir, Lana? Du hast doch Familie, die du sicher nicht anstecken willst!“, fragte sie mit so einem Unterton in der Stimme, der irgendwie ein „Nein“ nicht als Antwort gelten lassen würde. Hätte ich nicht so panische Angst vor Nadeln (also nicht, wenn ich Patienten spritzen muss, da stehe ich ja auf der richtigen Seite der Nadel) hätte ich der Impfung natürlich sofort zugestimmt. Vierzehn Tage mit Grippe im Bett liegen, will ich ja auch nicht. Aber die Aussicht auf einen äußerst schmerzhaften Nadelstich mit vermutlich anschließeder Schwellung war auch nicht gerade überzeugend. Außerdem hatte ich in meinem ganzen Leben noch keine Grippe gehabt. Mein betretenes Schweigen deutete Aurora wohl als Einverständins und fuhr fort: „Lana, du kannst doch auch i.m.-stechen, ja?“ Ohne darüber nachzudenken, wie diese Frage eigentlich gemeint war, nickte ich eifrig. Endlich könnte ich auch mal etwas Anderes, als immer nur diese öden Verbandswechsel und den ganzen Papierkram machen. Ja, hin und wieder war ein EKG zu schreiben, aber doch sehr selten. Wenn es nicht akut war, verwies Aurora ihre Patienten an die internistische Gruppenpraxis gleich in der Nähe. „Sehr gut, dann stichst du mich und ich steche dich. Bis nächste Woche habe ich die Impfstoffe parat“ meinte sie zuversichtlich. Ich war wie gelähmt vor Schreck und konnte gar nichts darauf erwiedern. Aurora machte einfach weiter im Text, damit wir schnell mit dem Teamgespräch fertig wurden.

Die eine Woche verging viel zu rasch. Für einen Moment hatte ich schon überlegt, mich „krank“ zu melden, aber dass dies eine blöde Idee war, lag auf der Hand. Wie immer, war ich eine Viertelstunde vor Ordinationsbeginn da. Paolo war ebenfalls schon hier und sortierte die neuesten Blutbefunde. „Hi Paolo, wo ist denn unsere Frau Doktor? (Wenn Aurora nicht da ist, sprechen wir von ihr als „Frau Doktor“, vor allem vor den Patienten). „Hausbesuch“ murrte Paolo. Kein „Hi“ oder sonst eine Begrüßung. Typisch Paolo. Ich verschwand in der Gaderobe, um mich umzuziehen. Kurz darauf kam Aurora in die Praxis. „Es stehen schon ein paar Patienten draußen vor der Tür. Komm‘ Lana, machen wir schnell die Impfung und dann sperren wir auf“, erklärte sie, als ob dies unsere übliche Routine wäre. Mein Herz klopfte wie wild und meine Handflächen wurden schon ganz feucht. Ein dumpfes Gefühl machte sich in meiner Magengrube breit. Wie angewurzelt blieb ich stehen. „Wo bleibst du denn? Im Behandlungsraum 1 liegt schon alles bereit.“, rief sie rüber. Mit weichen Knien schwankte ich ins Nebenzimmer. Der Geruch von Desinfektionsmittel, den ich sonst gern mochte, löste plötzlich eine Woge der Panik in mir aus. Als ich ins Behandlungzimmer eintrat, atmete ich erleichtert auf. Aurora saß mit hochgekrempeltem Ärmel auf der Behandlungsliege und wartete darauf, dass ich sie zuerst impfte. Eine enorme Last schien plötzlich von mir abgefallen zu sein. Meine Professionalität übernahm nun das Kommando, wobei ich noch immer ein bisschen nervös war. Während ich mir die Hände desinfizierte, fragte ich Aurora, eher scherzhalber: „Waren Sie in den letzten zwei Wochen mal krank?“ (Sie fragt die Patienten, die zum Impfen kommen auch immer). Offensichtlich teilten wir nicht den gleichen Humor, denn sie ignorierte meine Frage und meinte nur.“ Mach‘ einfach und dann haben wir Sprechstunde.“ Mit noch leicht zitternden Fingern nahm ich die Fertigspritze aus der Verpackung raus. Zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger eingeklemmt hielt ich sie auf Augenhöhe und klopfte die Luftbläschen raus. Mittlerweile hatte ich mich wieder im Griff und konnte mich auf das Vorbereiten der Injektion konzentrieren. Aurora wirkte schon etwas ungeduldig. Mit einem Isozid-Tupfer desinfizierte ich die Stelle am Oberam (Musculus deltoideus – der war mal eine meiner Prüfungsfragen während meiner Ausbildung gewesen). Zügig stach ich zu und schob die relativ kurze Nadel bis zum Anschlag rein. Kolben zurückziehen, um zu sehen, ob Blut aspiriert wird. Nein (natürlich nicht, schließlich kann ich das ja) – also die ganze Füssigkeit reindrücken und fertig. Aurora wollte schon aufstehen, als ich etwas kleinlaut sagte: „Warte, ich kleb‘ noch schnell ein Pflaster drauf.“ Aber die Frau Doktor rauschte schon an mir vorbei in ihr Sprechzimmer. Oh Gott sei dank! Schusselig, wie sie manchmal ist, hatte sie meine Impfung wohl vergessen.

Um Punkt 18.00 Uhr verließ auch der letzte Patient die Ordination. Paolo und ich begannen, alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Als ich gerade dabei war, den Autoklaven einzuschalten, rief Aurora nach mir. Ich drückte noch auf den Startknopf und ging zu ihr ins Sprechzimmer. Ohne Umschweife kam sie zum Thema. „Du kannst dich gleich auf die Untersuchungsliege setzen, dann kriegst du auch deine Grippeimpfung“. Verdammt! Sie hatte es doch nicht vergessen. Erneut stieg Panik in mir hoch. Ich fühlte mich total überrumpelt. Meine Hände wurden wieder ganz feucht und mein Herz raste wie verrückt. In der ganzen Aufregeung hat es vielleicht sogar einen Schlag ausgesetzt. Stocksteif blieb ich in der Tür stehen. Ich konnte mich einfach nicht vom Fleck rühren. „Lana, du siehst fürchterlich aus! Geht’s dir etwa nicht gut“, erkundigte sich Aurora, nachdem sie meinen angsterfüllten Gesichtsausdruck wahrgenommen hatte. „Doch, doch, alles in Ordnung:“ antwortete ich unüberlegt. „Also ehrlich gesagt, nein. Ich hab‘ ziemliche Kopfschmerzen und wäre froh, wenn wir die Impfung auf nächste Woche verschieben könnten“ stammelte ich verlegen. Ich wollte schon kehrtmachen, damit ich noch die restliche Arbeit erledigen konnte, doch da stand Aurora auch schon vor mir und sah mich prüfend an. „Ich hab‘ den Impstoff schon vor einer Stunde aus dem Kühlschrank genommen, den kann ich leider nicht noch einmal einkühlen. Also muss die Impfung heute sein.“, erklärte sie ungerührt. Vor Schreck wurde ich weiß wie die Wand. „Aber zunächst will ich dich kurz untersuchen, um sicherzugehen, dass du nicht ernsthaft krank wirst“, ergänzte sie, während sie mich sanft, jedoch bestimmt zur Liege schob. Ich stand kurz vor der Erfüllung meines schlimmsten Albtraumes.

„Das ist wirklich nicht nötig! Das ist bestimmt nichts Schlimmes“, versuchte ich die drohende Untersuchung abzuwenden. „Das werde ich entscheiden“, stellte sie mit ungewohnter Strenge klar.

„Seit wann hast du denn Kopfschmerzen?“, wollte die Ärztin von mir wissen. Was war die bessere Antwort? „Schon den ganzen Tag“ oder „seit etwa einer Stunde“? Ich entschied mich für Ersteres, das könnte sich ja vielleicht zu einer „Migräne“ entwickeln und Aurora würde mich einfach nach Hause schicken. Bald würde das wohl keine Lüge mehr sein, ich konnte schon spüren, wie es entlang der Schläfe leicht zu klopfen begann.

„Einseitig?“

„Ja, links“ antwortete ich und es war wirklich nicht sehr viel geschwindelt.

„Pulsierend, stechend, dumpf oder drückend?“, bohrte sie weiter nach.

„Von allem ein bisschen etwas.“ Oh Gott, war das eine dumme Antwort. Naja, ich konnte sie auch nicht mehr zurücknehmen

„Aha. Irgendwelche Begleiterscheinungen? Übelkeit, Erbrechen Licht- oder Lärmempfindlichkeit?“

Lärmempfindlichkeit ja, denn langsam ging mir ihre penetrante Stimme auf die Nerven. Aber ich antwortete einfach nur mit „Nein“.

Sorgfältig notierte sie alles mit, ganz die Allgemeinmedizinerin, die sie nun einmal war.

„Als erstes werden wir deine Temperatur messen und dann schauen wir weiter. Du weißt selbst, wenn du auch nur leichtes Fieber hast, können wir die Impfung vergessen.“ Tatsächlich nahm sie eines der alten Glasthermometer aus dem Keramikbecher heraus und reichte es mir. Aurora hatte eine ganze Sammlung an Fieberthermometern. Einige Alte aus Glas mit Quecksilber, dann die etwas Neueren mit dieser blauen Flüssigkeit drinnen und unzählige Digitalthermometer, wobei viele von denen irgendwelche Werbegeschenke waren. Außerdem besaß sie noch ein Ohrthermometer, das sie so gut wie nie benutzte Ich klemmte mir das alte Ding unter den Arm und hoffte auf ein kleines Wunder. Eigentlich war mir schon recht heiß von dem ganzen Stress geworden und vielleicht würde das Quecksilber das auch so sehen. „Ich komme gleich wieder zurück, ich geh‘ mir eine Tasse Tee machen“ verkündete die Ärztin und verließ das Sprechzimmer. Rasch nahm ich das Thermometer in die Hand und begann die Spitze auf meinem Oberschenkel hin und herzureiben. Dabei achtete ich darauf, dass die silberne Spitze ständig von meinem Finger fest gegen meine enganliegende Hose gedrückt wurde. Als ich Auroras Holzschlapfen auf dem Laminatboden klappern hörte, warf ich einen kurzen Kontrollblick auf die Quecksilbersäule. 39,3°C – das war zu viel! Schnell ein bisschen runterschütteln! Das ging aber streng! Ich hatte keine Zeit mehr, noch einen Blick zu riskieren und legte das Fieberthermometer wieder in meine Achselhöhle. Dazu setzte ich einen leidenden Gesichtsausdruck auf.

Aurora kam mit ihrer Tasse Tee (sie trinkt immer so seltsame Kräuterteemischungen) und etwas Anderem in der Hand zurück. Nachdem sie die Tasse auf ihrem Schreibtisch abgestellt hatte, drehte sie sich mir zu. So konnte ich sehen, was sie in der anderen Hand mitgebracht hatte: das Ohrthermometer. Sie schaltete es ein und kam auf mich zu. „Es macht dir doch nichts aus, wenn wir mit dem hier auch noch mal messen, oder?“ Ohne meine Antwort abzuwarten, (was für Ärzte oft typisch ist) steckte sie mir das Ding schon ins Ohr und drückte auf den kleinen Knopf. „Ich wollte nur sehen, wieviel Unterschied die beiden Thermometer anzeigen. Vielleicht sollten wir die älteren Modelle, mal eichen lassen“ erklärte sie so nebenher. Der Piepton kündigte das Ergebnis der Messung an. „36,7°C, das ist ja soweit gut. Dann wollen wir mal sehen, was das andere Thermometer sagt. Ohne drauf zu sehen, reichte ich es ihr. „38,1°, das kann ja nicht stimmen! Es is wohl wirklich Zeit für eine Eichung, sonst müssen wir die guten alten Glasthermometer aus dem Verkehr ziehen“. Mir war das furchtbar peinlich. Glücklicherweise, war der Verdacht, ich hätte geschummelt, gar nicht erst aufgekommen.

Als Nächstes untersuchte sie meinen Hals, meine Ohren und tastete die oberen Lymphknoten ab. „Zum Glück scheinst du keine Erkältung auszubrüten, aber ich werde noch die Lunge abhören, um ganz sicher zu gehen.“ „Tief ein- und ausatmen“, ordnete sie mir an, während sie sich die Oliven ihres burgundifarbenen Stethoskops in die Ohren steckte. Derweil zog ich meinen Kasack hoch, damit sie gut an die Auskulationspunkte herankam. Unwillkührlich zuckte ich zusammen, als die kalte Membran meine Haut berührte. Ich hätte das Stethoskop vorher desinzieren sollen, durchfuhr mich dieser etwas ungewöhnliche Gedanke. Das machte Aurora nämlich nie (und auch sonst kein Arzt), was ich wirklich furchtbar unhygienisch fand. „Deine Lungen sind frei. Meiner Meinung nach spricht nichts gegen die Grippeimpfung“, fasste sie ihr Ergebnis der Untersuchung zusammen. Verzweifelt ließ ich meinen Kopf hängen und starrte auf den Boden.

Die Ärztin griff nach der Nierentasse, in der die Fertigspritze schon bereit lag. Das Scheppern der kleinen Spritze in der Metalltasse ließ mich aufschrecken. „Mir ist irgendwie übel“, klagte ich und machte eine theatralische Pause, während ich meine Hand schützend auf meinen Bauch legte. „Ich glaube, ich muss mich übergeben“, setzte ich noch oben drauf. Überrascht sah mich Aurora an. „Am besten legst du dich mal hin“, ordnete sie an. Ich wagte es nicht, zu widersprechen und machte, was sie von mir verlangte. Ungefragt schob sie meinen Kasack nach oben. Mit ihren kalten Händen begann sie, meinen Bauch unsanft abzutasten. In der Magengegend drückte sie ziemlich fest herum, wodurch ich etwas verkrampfte. Dann zückte sie erneut ihr Stethoskop und lauschte meinen Magen-Darmgeräuschen. „Ich kann nichts Ungewöhnliches feststellen. Ich werde jetzt kurz lüften und danach geht’s dir sicher besser. Bleib‘ einfach noch liegen“, bemerkte die Ärztin und ging zum Fenster. Anschließend nahm sie auf dem Rollhocker neben mir Platz. „Ich möchte noch deinen Blutdruck kontrollieren“, erklärte sie und krempelte erneut meinen Ärmel hoch. „Atme ein paar Mal tief durch und versuch‘ dich zu entspannen. Schließe deine Augen, dann wird die Übelkeit sicher gleich verfliegen.“ Ohne Widerrede folgte ich ihren Anweisungen Im Nächsten Moment spürte ich, wie sie mir die Blutdruckmanschette um meinen rechten Arm legte. Geduldig wartete ich darauf, dass Aurora die Manschette aufpumpte, doch nichts geschah. Stattdessen fühlte ich etwas Kaltes, Feuchtes ein wenig oberhalb der Manschette. Als ich gearde die Augen öffenen wollte, durchfuhr mich ein stechender Schmerz, gefolgt von einem intensivem Brennen. Ich war perplex und konnte gar nicht fassen, was soeben passiert war. Fassungslos starrte ich sie an. Vor Wut zitterte ich am ganzen Körper und eine einzelne zornige Träne lief meine Wange hinunter. Ich brachte immer noch kein Wort hervor. Aurora schien meine Reaktion zu ignorieren. Schließlich entfernte sie die Blutdruckmanschette. „Deine Symptome sind ja sehr diffus und obwohl ich nicht glaube, dass du einen Infekt ausbrütest, werde ich dir was zur Vorbeugung geben“, sagte Aurora bestimmt.

Die Einstichstelle schmerzte jetzt schon ganz schön. Das würde später sicher noch schlimmer werden.

„Danke, aber das ist nicht nötig“, antwortete ich freundlicher, als ich es eigentlich wollte. „Ich schlucke eh jeden Tag Vitamintabletten“, ergänzte ich noch. Langsam setzte ich mich auf und zog mir mein Oberteil zurecht.Für mich war das Thema damit abgehackt. Ich wollte nur noch hier raus und Paolo fragen, ob ich vielleicht heute früher gehen könnte. Die restlichen Nebentätigkeiten würde er ganz sicher auch ohne meine Hilfe schaffen. Ungerührt blieb Aurora vor mir stehen und versperrte mir den Weg. „Du bekommst jetzt zwei Vitaminsprizten von mir, die wirken viel rascher als die Tabletten. Schließlich musst du auch morgen wieder zur Arbeit kommen. Einen Krankenstand während der Grippehochsaison kann ich wirklich nicht brauchen!“, herrschte sie mich an. „Ich werd‘ schon nicht krank werden“, stotterte ich verlegen. Langsam schien sich die Allgemeinmedizinerin von mir auf den Arm genommen zu fühlen und nun auch das letzte bisschen Geduld zu verlieren. „Lana, da gibt es kein Entkommen mehr. Leg‘ dich hin und mach‘ dich frei“, kommandierte sie genervt. Ich traute mich nicht, ihr zu widersprechen. Also legte ich mich hin und schob den Ärmel am linken Arm ein wenig hinauf. „Nein! Also was ist denn heute los mit dir???“, schrie sie mich gereizt an. „Die Spritzen bekommst du gluteal, das sind ja jeweils 10ml!“, erklärte sie als ob ich schwer von Begriff wäre. Dabei wollte ich einfach nicht meiner Chefin meinen blanken Hintern präsentieren. Beinahe in Zeitlupe stand ich wieder von der Liege auf und schob mir die weiße Hose runter bis zu den Kniekehlen. Der weiße Kasack verdeckte noch meinen Slip und ich hielt ihn weiter nach unten gesapnnt, als ob mein Leben davon abhinge. „So, jetzt mach‘ bitte weiter und leg‘ dich auf den Bauch!“ Dabei deutete Aurora mit ihrem langen Zeigefinger auf die Untersuchungsliege. Höchst ungern kam ich ihrer Aufforderung nach.

Ich war die ganze Woche noch nicht zum Wäsche waschen gekommen und hatte daher heute früh kaum noch saubere Unterwäsche. Notgedrungen musste ich zu meiner Reservewäsche greifen. Als ich mich nun auf den Bauch legte und mein Kasack dabei nach oben rutschte, gab dieser den Anblick auf einen ziemlich großen Snoopy, der quer über meine Pobacken lag, frei. Den Slip hatte ich noch aus Teenagertagen. Warum bloß hab‘ ich ihn so lange aufgehoben und ausgerechnet heute angezogen? Am liebsten wäre ich auf der Stelle im Boden versunken. Aurora ist immer so modisch gekleidet, sie trägt bestimmt keine Liebestöter aus weißer Baumwolle mit einer Comicfigur drauf.

Ich wagte es nicht, meine Chefin anzusehen und vergrub mein Gesicht, so gut es ging, auf der Liege. Damit Aurora mich nicht schon wieder anschnauzte, zog ich freiweillig meine Panties ein Stück unter meine Pobacken. Gleich darauf spürte ich schon, wie sie eine kleine Stelle an meiner linken Gesäßhäfte mit dem kalten Tupfer desinfizierte.

Plötzlich hörte ich, wie die Türklinke hinunter gedrückt und die Tür schwungvoll aufgestoßen wurde. Im nächsten Augenblick betrat Paolo das Sprechzimmer. „Was macht ihr denn da?“, fragte er überrascht und neugieirg zugleich. Intersseirt kam er näher und blickte von meinem blanken Hintern zu seiner Mutter und dann wieder zu mir. Aurora griff nach der Fertigspritze und ihr Sohn schien sofort zu verstehen, worum es ging. „Darf ich Lana die Injektionen verpassen?“, bot Paolo seine Hilfe an und lächlte mich schellmisch an, als seine Mutter gerade nicht hinsah. Das laute Klingeln von Auruoras Handy hinderte sie, ihrem Sohn zu antworten. Sie nahm das Gespräch entgegen und verschwand mit dem Telefon am Ohr ins Nebenzimmer. Mit großem Interesse beäugte Paolo unterdessen die beiden Spritzen, die schon in einer Nierentasse bereit lagen und nur auf ihren Einsatz warteten und grinste mich wieder so komsich an. Ich wollte mir gearde den Slip wieder anziehen, da kam Aurora zurück. „Ich muss zu einem dringenden Hausbesuch. Ja, Paolo, du kannst ihr die beiden Vitaminspritzen verabreichen, aspirieren nicht vergessen“, sprach sie noch, schnappte sich ihre Arzttasche und verschwand. An meiner linken Pobacke glänzte die kleine Stelle, die noch leicht feucht vom Desinfektiosmittel war. „Toll, da muss ich ja gar nicht lange suchen“, sagte Paolo und zog sich Einmalhandschuhe an. Vermutlich rein aus böser Absicht ließ er das Gummiband um sein Handgelenk schnalzen, was mir einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Er war zwar Medizinstudent im 4. Semester, aber ich bezweifelte, dass er schon viel Praxiserfahrung hatte. Etwas zaghaft setzte er die Nadel an und stach sie umso kräftiger tief in meinen Muskel. Ich schrie vor Schmerzen auf. Obwohl ich nicht wollte, riskierte ich einen Blick nach hinten. Tatsächlich aspirierte Paolo, bevor er mir den Inhalt der Kanüle verpasste. Ich war positiv überrascht. Trotzdem tat es höllisch weh, als er mir die ganzen 10ml von der öligen Lösung injezierte. Er klebte noch ein Pflaster drüber und massierte sanft die Einstichstelle, auch das überraschte mich sehr. Anscheinend hatte er doch schon das eine oder andere von seiner Mutter gelernt. Nun machte er sich über meine rechte Backe her. Diesmal musste er die Hautdesinfektion übernehmen und fand auf Anhieb eine geeignete Punktionsstelle. Zack – Nadel rein, aspieren, Medikament applizieren und feritg. Das ging mir viel zu schnell. Erneut schrie ich vor Schmerzen auf. „Ich glaube, du hast einen Nerv getroffen!“, fauchte ich ihn an. „Das kann gar nicht sein“, versuchte er mich zu beruhigen und begann die Einstichstelle erneut zu massieren. Langsam ließ der Schmerz nach. Rasch zog ich mich wieder an und stürzte aus dem Behandlungsraum. Im Vorbeigehen erklärte ich noch meiner Kollegin, dass ich jetzt gehen musste, weil es mir icht gut ging. Das war noch nicht mal gelogen. Drei Injektionen an einem Nachmittag war mir einfach zu viel und ausgerechnet heute musste ich mit dem Rad nach Hause fahren.

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