Die tachykarde Patientin IV

Gloria

Als der Professor schließlich das Thermometer aus mir entfernt, halte ich unbewusst die Luft an. Was wird nun geschehen, wenn er mich endgültig entlarvt hat? Anstatt mir gleich den gemessenen Wert zu verraten, legt er das Glasthermometer neben mir auf der Liege ab. Ich kann seinen Blick in keiner Weise deuten, was mich ein wenig verunsichert. Das laute Schnalzen eines Untersuchungshandschuhes versetzt mir einen kurzen Schreck. Doch erkenne ich sofort die Absicht, dieser überdramatisch dargestellten Handlung des Professors: Er will mit mir spielen! Gut, dann spiele ich mit. Mein innerliches Grinsen muss ich mir jetzt unbedingt verkneifen, soll der liebe Professor ruhig glauben, ich wäre ein unschuldiges Reh, das von derlei Spielen keine Ahnung hat. Also gebe ich zunächst keinen Laut von mir.

Ich beobachte ihn, wie er wieder zur Liege zurückkommt. Meine Beine presse ich fest zusammen, will ich ihm das Spiel doch nicht zu leicht machen. Ihm bereitet es sicher auch mehr Spass, wenn er seine Patientin, die ich ohnehin nie wirklich war, erst „erobern“ muss. Schließlich muss er endlich seinen ersten Triumph über mich ausspielen und erklärt mit strenger Miene, dass mein Schauspiel aufgeflogen ist, er mir aber trotzdem helfen möchte. „Aber…ich habe mich wirklich hundeelend gefühlt“, versuche ich, ihm ein wenig Empathie zu entlocken. Er hat ja keine Ahnung, welch unerwartete Sehnsucht mich nach ihm überfallen hat, sobald sich unsere Wege nach der ersten Begegnung getrennt haben. Ich habe so etwas noch nie erlebt und kann auch noch gar nicht verstehen, warum ich mich zu einem fremden Mann so dermaßen hingezogen fühle. Mir bleibt kein Moment Zeit, diesem Gedanken nachzuhängen, denn der Professor hat mich gerade untenrum komplett ausgezogen.

Die Art, wie er mich „junge Dame“ nennt, jagt mir einen wohligen Schauer den Rücken hinunter. Das ist genau der richtige Tonfall, den ich manchmal brauche und Magnus beherrscht ihn perfekt. Magnus, was für ein Name, träume ich einen Wimpernschlag vor mich hin. Ich beobachte ihn, wie er mit theatralisch hochgezogener Braue meine Wäsche gespielt achtlos zu Boden fallen lässt. Dabei bin ich mir sicher, dass der Professor meinen getragenen Tanga sicherlich gern als kleine Trophäe behalten würde.

Ich kann es kaum erwarten, zu erleben, was er unter „Therapie“ versteht. Hundert verschiedene Szenarios erscheinen vor meinem geistigen Auge und ich merke, wie ich noch feuchter zwischen meinen Beinen werde. Wie ganz von selbst öffnen sie sich, als hätte er eine übermächtige Zauberformel ausgesprochen. Simsalabim, Gloria öffne dich! Auch jetzt bemühe ich mich, ein Grinsen zu unterdrücken. 

Als er mich endlich dort berührt, wo ich es mir am meisten wünsche, kann ich einen unglaublich erleichterten Seufzer nicht unterdrücken und ein zufriedenes Lächeln legt sich über mein Gesicht. Es dauert gar nicht lange, bis er mich mit drei seiner geschickten Finger gleichzeitig verwöhnt. Mein Seufzen von vorhin ist in ein lautes Stöhnen übergegangen, ich kann es gar nicht mehr unterdrücken und werde immer ungehemmter. Von purer Lust übermannt, fühle ich schon einen Orgasmus auf mich zurollen. Mein gesamter Unterleib ist in erwartender Ekstase angespannt und wie von elektrischer Energie durchflutet. „Ich würde dir nicht raten, ohne meine Zustimmung zu kommen, haben wir uns verstanden?“. Die Worte des Professors dringen von weit weg an mein Ohr. Ich habe zwar gehört, dass er mit mir spricht, aber die Worte nehme ich in meiner Welt nur als verzerrte Laute wahr. Schlagartig wird mir bewusst, was er eben zu mir gesagt hat. Ich reiße die Augen auf und starre ihn an. Er hält meinem Blick stand und führt nebenbei einen vierten Finger in mich ein. Mir bleibt die Luft weg. Es kostet mich meine gesamte Konzentration, jetzt nicht seinen Daumen gegen meine Klitoris zu pressen oder gar selbst Hand anzulegen. Meinen nun flehenden Blick scheint er zu verstehen. Sein Daumen beginnt meine Lustperle in kreisenden Bewegungen zu massieren. Jetzt fehlt nicht mehr viel und ich werde in einem gigantischen Feuerwerk explodieren. Die Anspannung, bevor ein erlösender Orgasmus über mich schwappen kann, wird immer höher. Meine Füße verkrampfen sich und ich suche vergeblich Halt auf der Untersuchungsliege. 

Plötzlich reißt mich der Professor aus meinem Zustand höchster Erregung, indem er mich mit festem Griff am Kinn packt. Erneut spricht er seine Warnung, die schon beinahe wie eine Drohung klingt, aus. Diesmal verstehe ich ihn sofort. Zu groß ist der Schreck, in welchen er mich eben versetzt hat. Streng sieht er von oben auf mich herab, was mich innerlich wohlig erschaudern lässt. Ich kann nicht anders, als ihm direkt in seine Augen zu sehen. Zum ersten Mal fällt mir auf, dass sie blau sind. Sind sie mir bis jetzt dunkel und mysteriös erschienen, so sehe ich jetzt ganz klar, dass sie wunderschön blau sind. Was noch viel schöner ist, ist das schelmische Glitzern um seine Iriden. In diesem Moment fühle ich mich ihm sehr nahe und verbunden. Ich weiß, dass mir nichts Schlimmes geschehen wird. 

Magnus lässt mich wieder los und macht sich daran, mir meine Bluse und den BH auszuziehen, um meine Brüste kneten zu können. AUA! Hat er mich gerade etwa in die Brustwarze gezwickt? Wenn er das noch einmal macht, gibts was auf die Finger des Professors, denke ich mir im Stillen und muss ein freches Schmunzeln unterdrücken. Was er wohl für ein Gesicht machen würde, gäbe es tatsächlich einen Klaps auf seine Finger? Ich blicke zu ihm auf. „Keine Unaufmerksamkeit bleibt unbemerkt, liebe Gloria“, tadelt er mich. „Und nichts Unbemerktes bleibt ungestraft“, fährt er ungerührt fort. Auch wenn Gedanken ja bekanntlich frei sind, muss ich wohl etwas besser aufpassen. Meine Mimik könnte mich sonst verraten. Aber es fällt mir schwer, mich in seiner Gegenwart zu konzentrieren. Sein Aftershave riecht so betörend und vernebelt meinen Verstand. Am liebsten möchte ich mein Gesicht jetzt dicht an seinen Hals schmiegen, dort, wo sein Hemdkragen endet. Ich möchte seinen Duft inhalieren und seinen Hals küssen. Oh, was hat er eben gesagt?…Entscheidung…gehen? Mist, ich muss ihm aufmerksam zuhören! Ich kann mich doch nicht ausgerechnet jetzt von Pheromonen leiten lassen. Zum Glück, hat sich mein Gehirn gerade noch rechtzeitig wieder aktiv gemeldet. Ich ergreife seine mir entgegengestreckte Hand, vielleicht ein wenig fester, als ich beabsichtigt hatte und strahle ihn an. „Dann folge ich Ihnen lieber in das andere Zimmer.“ Kokett sehe ich ihn von der Seite an. Eigentlich würde ich viel lieber „Du“ zu ihm sagen, aber, das klären wir nicht jetzt. Rasch schließe ich noch ein „Herr Professor“ an und hoffe inständig, dass es nicht zu spät war. Meine Wäsche lasse ich gerne hier zurück, da ich auch der Meinung bin, sie in dem anderen, geheimnisvollen Zimmer, nicht zu brauchen.

Autor

Deine Stimme zählt!
[Total: 2 Average: 5]

2 Replies to “Die tachykarde Patientin IV”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.