Die tachykarde Patientin V

Der Professor

Vorsichtig und nicht ohne Anmut erhebt sich Gloria von der Liege. Ein verheißungsvolles Blitzen in ihren Augen, in denen ich nur zu gerne versinken würde, sagt, ich vertraue dir und gehe diesen Weg mit dir‘. Leichtfüßig wie eine Balletttänzerin folgt mir meine Patientin und würdigt die zurückgelassenen Kleider keines Blickes mehr, als wolle sie damit zum Ausdruck bringen, dass in diesem Moment etwas Neues beginnt. So laufe ich also, Gloria noch immer an der Hand, zielstrebig auf eine verschlossene Türe in meiner Praxis zu. Auf ihr steht in goldener Schrift „Privat“. Ohne meine Patientin nochmals anzusehen, öffne ich die Türe mit einem Schlüssel und betätige den Lichtschalter. 

„Komm näher.“ Sofort erkundet die Frau, die gerade noch auf meiner Untersuchungsliege gelegen hatte, mit ihren Augen den gesamten Raum. Die Vielzahl der erspähten Dinge muss sie nahezu überfordern, denke ich mir. 

Dieser Raum, der ebenso gediegen und klassisch in seiner Anmutung ist, wie der Rest meiner Praxis, ist mit einem hochflorigen Teppichboden ausgelegt. Dunkle Farbtöne dominieren und es riecht nach dickem Leder. Dunkelrote dichte Vorhänge aus Samt, eine lederne, gesteppte Untersuchungsliege, ein schwarzer ebenfalls mit Leder bezogener gynäkologischer Stuhl, der in der Mitte des Raumes steht und vom Lichtschein einer Art OP-Lampe nahezu einem Altar gleich in Szene gesetzt wird. An den Armlehnen und Beinschalen befinden sich Lederriemen mit Dornschließen.

In der linken Ecke des Raumes findet sich eine Art Kniebank, deren genauer Gebrauch sich auf den ersten Blick nicht erschließt. Eine daran aufgehängte schwarze Gerte jedoch, lässt auf die Bestimmung dieses Möbelstückes schließen. Auf der rechten Seite befinden sich Mahagonikommoden. Die Schubladen tragen Aufschriften wie „rektal“ und „vaginal“ oder „Injektion“ und „Fixierung“. 

Die Wände zieren antike Stiche und Illustrationen, die vermutlich bemitleidenswerte Patientinnen aus vergangenen Tagen der Medizin zeigen. Ihnen allen ist gemein, dass sie sehr erniedrigend anmutende Untersuchungspositionen und das entblößte Geschlecht der Behandelten zeigen. Auch Illustrationen von antiquierten gynäkologischen Instrumenten sind darunter. Einzig ein Infusionsgalgen mit einer erkennbaren Vorrichtung für Einläufe nebst Schlauch erinnert weiterhin an das ehrenwerte Fach der Medizin. 

Was mag Gloria sich jetzt nur denken beim Anblick all dessen? Doch ohne einen Augenblick des Zweifels aufkommen zu lassen, erkläre ich, nahezu feierlich:

„Willkommen in dem von mir geleiteten Institut für dominant-ludative Medizin.“ 

Und ich kann sehen, wie auch sie schmunzeln muss, ob dieser Nomenklatur. 

„Möchtest du, dass ich dir die Räumlichkeit mit all ihren Vorzügen im Detail erkläre, oder möchtest du überrascht werden?“ 

Der mit dieser Frage ausgelöste innere Konflikt lässt sich förmlich an ihrem Gesicht ablesen, doch nach einem neugierigen Blick rundum entscheidet sie sich schließlich, dazu zu sagen: „ich vertraue dem Professor, überraschen Sie mich!“ 

„Nun gut. Bevor wir beginnen, möchte ich dass du dir eine gewöhnliche Verkehrsampel vergegenwärtigst. Ähnlich dieser, gelten hier in diesem Raum drei Farben. Grün – alles in Ordnung. Gelb – Vorsicht geboten. Rot – aufhören, es geht nicht mehr. Sei es, dass ich dich frage, sei es dass du selbst spontan eine dieser Farbe nennst, sie zusammen stellen eine Art Safe Word Skala dar. Hast du das verstanden?“

„Ja, natürlich weiß ich was ein Safe Word ist. Und ich kenne das Ampelprinzip. Werden wir es denn hier brauchen?“

Worauf ich postwendend in strengem Ton anfüge: „Herr Professor!“, und ihr Blick sich zu Boden senkt. Auf die Nachfrage, ob man sowas hier denn bräuchte, gehe ich nicht mehr ein. In einem Anflug von innerlicher Fürsorge fasse ich Gloria aufmunternd an die Schulter und bedeute ihr, in Richtung der Kommode zu gehen. 

Währenddessen lege ich meinen weißen Eppendorfer Visitenmantel, ein Exemplar mit silbernen Knöpfen hängt immer in diesem Zimmer, an. Denn in diesem Raum pflege ich grundsätzlich nur im Kittel zu wirken. 

Dieser krasse Kontrast zu den splitternackten Patientinnen, soll das hier geltende steile Machtgefälle auch rein optisch sofort ins Auge stechen lassen. 

„Stütz dich auf der Kommode ab und beug dich nach vorne!“ 

Mit einem kurzen Schlag auf den Po und den Worten „Schön rausstrecken!“, helfe ich bei der Einnahme der von mir vorgesehenen Position nach und drücke ihre Beine an den Innenseiten ihrer Schenkel auseinander, sodass sie nunmehr recht breitbeinig dasteht. Aus meiner Manteltasche entnehme ich einen metallischen Analplug, den ich Gloria wortlos in den Mund schiebe. Als ich ihn wieder entnehme, hat sie ihn mit ihrem Speichel bereits feucht genug gemacht und er findet mühelos den Weg in ihr Rektum. Beim Eindringen höre ich ein gedehntes Stöhnen, welches wie Musik in meinen Ohren klingt und beobachte, wie sie unwillkürlich ihre Fersen leicht anhebt. 

„Brav. So gefällst du mir noch viel besser“.

Erneut muss ich sehr an mich halten, dass meine flinken Finger nicht wieder den Weg ins Innere dieser Frau suchen, als ich kurz prüfend die Labien entlang fahre und feststelle, dass diese förmlich triefend nass sind. 

Ein überlegenes Grinsen legt sich in mein Gesicht und es kann ihr nicht verborgen geblieben sein. Ohne weitere Worte zu verschwenden, öffne ich die Schublade mit der Aufschrift „Injektion“ und beobachte dabei eine gewisse Nervosität auf Seiten Glorias. Nicht ohne Grund habe ich sie ausgerechnet an dieser Stelle Aufstellung nehmen lassen, denn so hat sie freien Blick auf den Inhalt der Schublade. Eine Reihe von verpackten Spritzen in verschiedenen Größen, Injektionsnadeln und ein Konvolut an Ampullen wird sichtbar. Auch gebrauchsfertig verpackte Injektionspräparate lassen sich erkennen. Alles säuberlich sortiert. Auch ein großes digitales Fieberthermometer liegt darin, was aber nun nicht gebraucht wird. 

„Der Winter steht vor der Türe. Ich denke, dass ein paar Vitamine nicht schaden können.“, erkläre ich und füge hinzu: „eine Vitaminspritze kannst du ganz gut vertragen.“ Gloria beobachtet jeden meiner versierten Handgriffe ganz genau. Von der Entnahme der gebrauchsfertigen Spritze bis zu deren Vorbereitung lässt sie meine Hände nicht aus den Augen. 

Dabei entscheide ich mich für Medivitan®, einem Präparat, das in gebrauchsfertiger Spritze geliefert wird und aus einem Mehrkammersystem besteht. In verschiedenen Partitionen der Spritze befinden sich jeweils Vitamin B6 und B12, sowie Folsäure. Typischerweise werden hiervon mehrere Spritzen in einem bestimmten Intervall verabreicht. Wahlweise tief intramuskulär – in den Gesäßmuskel – oder intravenös. 

Und Gloria wird die sprichwörtlich böse Spritze in den Po bekommen. 

„Medivitan®. Eigentlich eine Aufbaukur. Ein hervorragender Vorwand, dich regelmäßig in die Praxis zu bestellen…“, erkläre ich unterdessen, ohne mich von meinen Vorbereitungen ablenken zu lassen. „Und für eine intraglutäale Injektion hervorragend geeignet.“ Kaum sind diese Worte verhallt, halte ich die fertige Spritze theatralisch ins Licht und drücke den Kolben leicht, sodass eine minimale Menge der Injektionslösung im hohen Bogen aus der Nadel austritt. Dabei kann ich sehen, wie meine Patientin diese Maßnahme mit ihren großen blauen Augen gespannt verfolgt. 

„Du scheinst mir kein Mädchen zu sein, das früher vor einer Spritze davongerannt ist“, meine ich anerkennend. Zügig reinige ich die vorgesehene Einstichstelle über dem großen Gesäßmuskel mit zwei vorbereiteten Alkoholtupfern und führe die Injektion dann zügig aus. Als die Nadel die Haut durchsticht, bildet sich schlagartig Gänsehaut auf den Pobacken aus und ein kurzes „Autsch“ von Seiten Glorias quittiert den Vorgang. Es macht fast den Eindruck, als ob sie sich gewünscht hätte, ihr Arzt würde den Kolben der Spritze etwas langsamer drücken. Ob sie Injektionen etwa mag? 

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