Die tachykarde Patientin VI

Gloria

Freudig aufgeregt und voller Neugier folge ich Magnus in das andere Zimmer. Als wir vor einer Türe mit der Aufschrift „Privat“ stehen bleiben und er diese erst aufsperren muss, frage ich mich, was er wohl dahinter verborgen hält. Mein Blick bleibt sofort an dem eleganten, mit Leder bezogenen gynäkologischen Stuhl hängen und mir ist klar, dass sich der Professor in seiner Ordination offenbar auch ein stilvolles und überaus geschmackvolles Spielzimmer eingerichtet hat. Meine Augen untersuchen den Raum auf jedes noch so kleine Detail, nichts bleibt mir verborgen. Zumindest nichts, was ohnehin frei im Raum steht. Auch diese kleine Folterkammer entspricht meiner Einschätzung nach voll und ganz den Vorstellungen des Professors. Sicherlich ist er in diesen, wie auch in vielen anderen Belangen ein heilloser Perfektionist.

In einer Ecke befindet sich eine Kniebank und mein Herz macht vor Begeisterung einen Hüpfer. Der offensichtlich sehr praktisch veranlagte Professor hat gleich daneben eine schwarze Reitgerte, deren Ende eine edle Lederschlaufe aufweist, aufgehängt. Die klatscht sicher schön, schießt es mir durch den Kopf, doch ich lasse mir nichts anmerken. Mein wissendes Lächeln behalte ich vorerst für mich. Zu groß ist die Freude über die Erkenntnis, dass in Magnus so viel mehr steckt, als ich ursprünglich angenommen hatte. Er ist nicht nur ein gebildeter und angenehmer Gesprächspartner, sondern auch Arzt mit, für Außenstehende, etwas fragwürdigen Moralvorstellungen, was ihn mir sofort sympathisch gemacht hat. Wir waren von Anfang an ehrlich zueinander und haben uns gegenseitig anvertraut, dass wir beide in glücklichen Ehen verkehren, aber eben auch auf der Suche nach Abenteuern sind. Im Speziellen war ich auf der Suche nach einem außergewöhnlichen Spielpartner, einem Meister, einem Dom. Vielleicht findet meine Suche hier, in diesen Wänden, ein zumindest vorläufiges Ende. Dabei sieht er so verdächtig harmlos aus.

Routinemäßig sehe ich mir die Beschriftung der einzelnen Schubladen der großen  Kommode aus Mahagoni an. Die kleinen Schilder geben in sehr sorgfältiger geschriebenen Lettern potenzielle Auskunft über deren Inhalte. Besonders die Worte „rektal“ und „Fixierung“ stechen für mich besonders hervor. Pure Erregung durchfährt meinen Körper wie einen Blitzschlag. Auch der Infusionsständer mit dem daran hängenden Einlaufset ist meinem geschulten Auge freilich nicht entgangen. Weiters erkunde ich mit neugierigen Blicken die Illustrationen, die dieses besondere Zimmer zieren. In die Details kann ich mich jedoch nicht vertiefen, weil Magnus mich mit den Worten: „willkommen in dem von mir geleiteten Institut für dominant-ludative Medizin“ zum Schmunzeln bringt und somit ablenkt. Liebenswürdigerweise bietet er an, mir einige Details zu diesem speziellen Untersuchungsraum zu erklären. Eine Sekunde lange überlege ich, ob ich ihm anvertrauen soll, womit ich bereits Bekanntschaft gemacht habe, oder ob ich besser die etwas unbedarfte Patientin spielen soll. Ich entscheide mich, wie so oft schon für die goldene Mitte und erkläre ihm, dass ich mich von ihm überraschen lassen möchte.

Wirklich überrascht bin ich, als er mit mir ein Safeword vereinbart. Ich hätte nicht gedacht, dass wir heute noch so weit gehen würden. Nun bin ich doch ein wenig verunsichert. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen? Als er mich fürsorglich an meiner Schulter berührt, verfliegen alle meine Bedenken im Nu. Ich lasse ihn nicht aus den Augen, während er seinen weißen Arztkittel überzieht. Stattlich steht er vor mir und sieht eben wie ein richtiger Professor aus. Sein Äußeres entspricht meiner Vorstellung nach, der eines strengen Doktors. Gäbe es einen Duden für „dominant-ludative Medizin“, würde man neben dem Begriff „Professor“ ein Bild von Magnus als empirisches Exempel vorfinden können. Erst nach diesem Gedankengang fällt mir auf, wie nackt ich ihm gegenüber stehe. Zwar habe ich meine Kleidung schon vorher abgelegt, aber jetzt, wo er auch noch seinen Visitenmantel angezogen hat, spüre ich deutlich, dass ich seinen Blicken wirklich schutzlos ausgeliefert bin. Ein Gefühl von wahrer Demut überkommt mich und ich frage mich, wie weit ich mit ihm tatsächliche gehen werde.

„Stütz dich auf der Kommode ab und beug dich nach vorne!“, reißt mich Magnus aus meinen Überlegungen. Ein Schlag auf meinen Po macht mir klar, wie ich für ihn posieren soll. Ungefragt schiebt er mir einen Metallplug in den Mund, damit ich ihn befeuchten kann. Von der Größe her hat er ein eher kleineres Modell ausgewählt, was mir für den Anfang ganz recht ist. Wer weiß, was heute noch alles auf mich zukommt? Mühelos führt Magnus mir den Plug rektal ein, was sich sehr gut anfühlt. Ich merke, dass ich vor Feuchtigkeit schon beinahe auslaufe und kann ein Stöhnen nicht unterdrücken. Daraufhin lobt er mich und ich fühle mich auf eine seltsame Weise von Stolz erfüllt. 

Mit immensem Schrecken sehe ich, wie der Professor eine Schublade mit der Aufschrift „Injektion“ öffnet und eine Medivitan®-Fertigspritze daraus zum Vorschein bringt. Ich hätte ihm wohl besser vorab ein paar meiner Limits beichten sollen, überfällt mich dieser Gedanke, für den es nun wohl spät ist. Natürlich kann ich mit meinem Safeword das alles abwenden. Aber will ich das überhaupt?

Im Allgemeinem empfinde ich für Nadeln so etwas wie eine Hass-Liebe. In meinem Job behaupte ich immer, auf der richtigen Seite der Nadel zu stehen. Also in der Rolle der Verabreichenden. So sadistisch das auch klingen mag, im Beruf mache ich es gerne, denn ich mach es gut und vice versa

Als Kind habe ich viele Impfungen durch die Schulärztin erhalten. Da mussten wir uns alle in einer Reihe anstellen und einer nach dem anderen wurde dann schnell und ohne viel Aufsehen kurz in den Arm gepikst. Damals glaubte ich, die Einzige zu sein, die so etwas wie eine gewisse Vorfreude dabei empfand. Eine kurze Euphorie, ein kleiner Adrenalinstoß vor dem Stich mit der Nadel. Der Schmerz war eigentlich nie so wirklich schlimm, genau die richtige Dosis. Dieses Gefühl ist mir bis heute geblieben. Doch speziell jetzt, in diesem Moment ist schon auch ein wenig Angst mit dabei und mein Herz hämmert wie wild gegen meinen Brustkorb. Normalerweise würde ich mir von Magnus die Ampulle und alles, was dazu gehört, zeigen und gegebenenfalls auch erklären lassen. Für gewöhnlich handhabe ich es auch so, dass beim ersten „Playdate“ keine Injektionen zum Einsatz kommen, denn dafür muss zuerst genügend Vertrauen aufgebaut werden. Dabei geht es mir weniger um die Technik, viel mehr um den Inhalt der Spritzen. In diesem Fall habe ich mich zwar subtil, aber doch davon überzeugen können, dass die Fertigspritze original verpackt ist. Ich vertraue dem Professor und frage daher nicht weiter nach.

Genau genommen höre ihm überhaupt nicht richtig zu, als er erklärt, wozu Medivitan® verabreicht wird. Das Vitaminpräparat ist mir schließlich bestens bekannt. Vielmehr überlege ich, ob ich „orange“ sagen soll. Immerhin weiß er ja noch nicht, dass ich meistens ein- oder zweimal im letzten Moment weg zucke, bevor die Nadel mich noch nicht einmal ansatzweise berührt hat. Gewiss würde ihn so ein Verhalten meinerseits verärgern und das wiederum hätte sicher Konsequenzen für mich. Mir bleibt keine Gelegenheit, weiter zu überlegen. Zügig desinfiziert Magnus die vorgesehene Stelle an meinem Po. Jetzt oder nie! Doch irgendwie traue ich mich nicht, etwas zu sagen und dann geht alles auch viel zu schnell. Ein schrilles „Autsch“ rutscht mir raus und ich beiße mir auf die Lippe.

Autor

Deine Stimme zählt!
[Total: 2 Average: 5]

7 Replies to “Die tachykarde Patientin VI”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.