Fallen Angel oder Wie ich endlich mit meinem Orthopäden schlief

Elio und ich haben uns kurz nach dem Millenium kennengelernt, als ich ehrenamtliche Rettungssanitäterin war und er Zivildiener. Während er seinen Zivildienst nach abgeschlossenem Medizinstudium nachholte, war ich schon in Ausbildung zur Diplomkrankenschwester. Leider hatten wir nie einen gemeinsamen Dienst, aber unser aller erstes Treffen hat in der Rettungszentrale statt gefunden. Wir hatten uns beide einen Kaffee vom Automaten geholt und begannen einfach so zu plaudern. Optisch hat er mir damals gleich gefallen, wobei ich sagen muss, dass er heute, unzählige Jahre später, eigentlich viel besser aussieht. Er war ein nur ein bisschen größer als ich, hatte dunkle Augen und ebenfalls dunkles, leicht gelocktes Haar. Jedenfalls haben wir uns unterhalten, bis einer von uns die nächste Ausfahrt hatte.

Ein paar Wochen später trafen wir uns im Nachtdienst erneut in der Rettungszentrale. Ich hatte mir einen Dienst mit Ben eingeteilt. Bei dieser Rettungsorganisation war „Fahren wir mal einen Dienst zusammen?“ Code für „ich finde dich süß/sympathisch/geil und würde dich gern näher kennenlernen, gegebenenfalls auch die Nacht mit dir verbringen“ (unschuldig im Mannschaftsschlafraum á 3 Betten, aber immerhin). Ben und ich hatten also gemeinsam Nachtdienst und unerwartet traf ich Elio wieder, der mich fragte, ob ich nicht lieber Dienst mit ihm am Notarztwagen mache wolle, er würde das der Leitstelle schon verklickern (von meiner Ausbildung her hätte ich nur Dienste am Rettungswagen machen dürfen). Unter meinen Kollegen war ich damals als „blaulichtgeil“ bekannt, was soviel bedeutete, dass mir die aufregenderen Einsätze, eben mit Blaulicht und Martinshorn begleitet, viel mehr Spass bereiteten, als die langweiligen Transporte zur Dialyse oder zurück ins Altersheim. Ich hätte diese Chance wahrnehmen sollen, schon allein, um etwas Neues zu lernen. Aber als ich Ben ansah, der die Unterhaltung mitbekommen hatte, brachte ich es einfach nicht übers Herz, den Wagen zu wechseln. Wer weiß, was aus Elio und mir geworden wäre, wenn ich diese eine Nacht mit ihm (und zugegebenermaßen seinem Kollegen) verbracht hätte. Ob wir damals Telefonnummern ausgetauscht haben, weiß ich nicht mehr. Aber fürs Erste haben wir uns aus den Augen verloren.

Einige Jahre später, arbeitete ich in einem großen Krankenhaus in Wien. Es war meine erste Stelle nach der Ausbildung auf einer Abteilung für innere Medizin. Eines Tages, ich war noch gar nicht lange auf dieser Station tätig, kam ein Konsiliararzt für Orthopädie zu einem meiner Patienten. Zu meiner großen Überraschung war es Elio, der mich nach dem Patientenakt fragte. Wir lächelten uns an und natürlich gab ich ihm die gewünschten Unterlagen. Nachdem er sich den Patienten angesehen hatte, kam er noch mal zu mir zum Schwesternstützpunkt zurück. Da gerade nicht viel zu tun war, bot ich ihm eine Tasse Kaffee an. Wir setzten uns und plauderten wieder über dieses und jenes. Dabei hatte ich total die Zeit übersehen und bin viel zu spät zur Nachmittagsvisite gekommen, was die diensthabende Oberärztin ziemlich verärgert hatte .Elio machte sich aus dem Staub und zwinkerte mir zum Abschied noch aufmunternd zu. Am nächsten Tag wurde ich wegen meinem kleinen Flirt gleich von der Stationsschwester zurechtgewiesen. Auch diesmal wurde nicht mehr aus Elio und mir als zufällige Bekannte, die sich nur äußerst selten über den Weg liefen, denn damals waren wir beide bereits in festen Beziehungen.

Unser nächstes Wiedersehen sollte erst wieder einige Jahre später stattfinden. Ich hatte sowohl das Krankenhaus als auch die Abteilung gewechselt. Erst seit kurzem arbeitete ich in dem neuen, modernen Krankenhaus. Ich hatte noch keine Freundinnen unter den neuen Kolleginnen gefunden und so kam es öfter vor, dass ich alleine in den Speisesaal zum Mittagessen ging. So stand ich also wieder einmal mit meinem Tablet in dem riesigen Speisesaal und hielt Ausschau nach einem freien Sitzplatz. Plötzlich erkannte ich ein bekanntes Gesicht in der Menge, das mir ein strahlendes Lächeln schenkte. Elio winkte mir und bedeutete mir, ich solle mich zu ihm setzen. In der Zwischenzeit war er Oberarzt für Orthopädie, verheiratet, keine Kinder. Nebenbei führte er seine glänzende Privatordination. Außerdem unterrichtete er Anatomie in der Krankenpflegeschule, in der ich vor einer halben Ewigkeit meine Ausbildung absolviert hatte. Oh ja, Anatomie-Stunden mit Elio konnte ich mir wirklich vorstellen. Unsere Mittagspause war viel zu schnell zu Ende. Umso mehr freute es mich, als am Nachmittag Elio mit zwei Bechern Kaffee überraschend auf meiner Station aufkreuzte. Er kam auf mich zu und hielt mir einen Becher hin. Ich wollte ihn schon nehmen, doch dann fiel mir ein, wie meine letzte Kaffeepause mit ihm ausgefallen war. „Du bringst mich in Schwierigkeiten“, flüsterte ich ihm zu und nahm den Becher nicht an. Meine Kolleginnen waren vollkommen hin und weg von seiner Erscheinung und natürlich kannten sie ihn bereits. „Oh, Herr Oberarzt, kommen Sie doch, setzen Sie sich kurz zu uns ins Schwesternzimmer“, flötete schon Schwester Caroline. So schnell konnte ich gar nicht schauen, saß Elio schon im Aufenthaltsraum, umringt von meinen Kolleginnen, die alle synchron mir ihren Wimpern zu klimpern schienen. Sein Ehering schien sie nicht im geringsten zu stören. Erst viel später erfuhr ich von seinem Ruf als „Schwesternkittel-Jäger“.

Er unterhielt die gesamte Schwesternschaft mit seinen Geschichten über seine Band, in der er Leadsänger war und stimmte sogar ein Lied an. Ein bisschen eingebildet kam er mir in diesem Szenario schon vor, dennoch gefiel mir seine selbstbewusste Ausstrahlung. Nebenbei erwähnte er noch, dass er gerade für den Wings for Life World Run trainierte, bei dem er seit Beginn des Events jedes Jahr startete. Ich bildete mir ein, ehrfürchtig gehauchte „Oohs“ und „Aahs“ begleitet von zusätzlichen Wimpernaufschlägen meiner Kolleginnen zu hören. Elio stand auf, um zu gehen und ließ es sich nicht nehmen, mich zum Abschied auf beide Wangen zu küssen. Ich konnte förmlich die neidischen Blicke auf meinen geröteten Wangen spüren. Kurzfrisitng wurde ich dadurch zum Mittelpunkt des Interesses meiner Station.

Nach diesem Wiedersehen träumte ich in der darauffolgenden Nacht von Elio. Es war ein hoch erotischer Traum, an den ich mich heute – Jahre später – leider nicht mehr genau erinnern kann. Woran ich mich jedoch sehr gut erinnern kann, war diese Lust oder auch Sehnsucht nach ihm, die von mir Besitz nahm. In meinen stillen, privaten Gedanken tauchten plötzlich Fragen der Kategorie „Was wäre wenn…“ auf. Was wäre vielleicht aus uns geworden, wenn ich damals mit ihm im Notarztwagen mitgefahren wäre? Was hätte aus unserem ersten Stationsflirt werden können, hätten wir damals gerade keine festen Partner gehabt? Diese und noch viele andere Fragen spukten mir ein paar Tage lang durch den Kopf, bis ich mir selbst die von mir erfundene „mentale Watschn“ (= wienerisch für Ohrfeige) gab. Von einer Sekunde auf die andere war Schluss mit dieser Träumerei, denn – sein wir uns mal ehrlich – Elio war doch auch nur ein gewöhnlicher Mann, der seine getragen Socken neben dem Bett liegen und seinen schmutzigen Teller auf dem Tisch stehen ließ. Ja sicher, er war ein gutaussender Arzt (mit spanischen Wurzeln) und zugebenermaßen gefiel mir das, aber das bedeutete auch, dass er sehr viel arbeiten musste und ich als seine hypothetische Freundin sehr viel Zeit alleine verbringen würde. Die rare Freizeit müsste ich dann auch noch mit seinen Bandproben und beinahe fanatischen Lauftrainings teilen. Vielleicht würde ich ja gemeinsam mit ihm laufen, aber sicher nicht dreimal pro Woche bei jedem Wetter. Vielleicht würde ich mittlerweile auch fließend Spanisch sprechen und regelmäßig seine Verwandschaft in Barcelona besuchen (auch ohne ihn, da er ja sehr beschäftigt ist). Klatsch – wieder die mentale Watschn.

So langsam geriet Elio ein wenig in Vergessenheit, bis ich eines Tages meinen Hausarzt wegen Rückenschmerzen aufsuchen musste. Dr. Bauer war ein guter Allgemeinmediziner und wusste genau, wann er an die Grenzen seiner Kompetenz stieß. Er meinte, mit meinen Beschwerden wäre es auf jeden Fall ratsam, einen Orthopäden aufzusuchen. „Kennen Sie einen Facharzt für Orthopädie?“, wollte er von mir wissen. Das sah ich wieder ganz deutlich Elio‘s strahlendes Lächeln, seine schwarzen Haare und die immer sonnengebräunte Haut vor meinen Augen. Dr. Bauer schien meine kurze Tagträumerei zu ignorieren und hielt mir die Visitenkarte eines Orthopäden hin. Ich überlegte lange hin und her. Damals war ich mir gerade über meine Vorliebe für weiße Erotik bewusst geworden. Ich sprach mit Dominik darüber, der von meiner kleinen Schwärmerei für Elio wusste. Er hatte nichts dagegen und stellte mir sogar eine Challege für meinen ersten offiziellen Ordinationsbesuch bei Elio: „Lass dir von ihm eine Spritze in deinen süßen Po geben. Ich meine aber wirklich eine Plastikspritze mit einer Nadel dran“.

Noch in derselben Woche hatte ich einen Termin bei Elio in seiner Privatordination. Er begrüßte mich überschwänglich und war sichtlich erfreut, mich zu sehen. Nach einem kurzen Anamnesegespräch untersuchte er mich gründlich. Dafür musste ich mich bis auf die schwarze Spitzenunterwäsche ausziehen. Er ließ mich im Untersuchungszimmer ein paar Mal auf und ab gehen. Seine dunkeln Augen folgten meinen Bewegungen und ich konnte förmlich spüren, wie er mich mit seinen Blicken auszog. Mit seinem Rollhocker kam er näher zu mir heran, ich musste mich nach vorne bücken und zu beiden Seiten neigen, während seine warmen Hände auf meinen Hüften ruhten. Dabei war mein Po für ihn genau in Augenhöhe. Elio verhielt sich die ganze Zeit über sehr professionell. Gegen die akuten Schmerzen wollte er mich infiltrieren und mir Physiotherapie verordnen. „Na , dann hüpf mal rauf auf die Untersuchungsliege und bleib erst mal sitzen“ forderte er mich freundlich auf. Er prüfte noch meine Reflexe und richtete danach die Injektionen für mich her. „Wenn ich schon hier bin, könntest du mir bitte auch gleich meine Vitamin B-Spritze verabreichen? Die hat mir mein Hausarzt verordnet, der ist aber leider diese Woche auf Urlaub“ fragte ich ganz unschuldig. Das war total erfunden, ich hab mir die Fertigspritzen online bestellt für Doktorspielchen mit Dominik, aber das musste Elio ja nicht wissen. Überrascht sah er mich an. „Ich hab sie sicherheitshalber gleich mitgebracht“ sagte ich. „Klar kann ich machen, wenn du das willst“, antwortete Elio und bat mich, mich auf den Bauch zu drehen. Aber zuerst kümmern wir uns um deine akuten Rückenschmerzen. Der kaltnasse Tupfer hinterließ eine Gänsehaut über meiner Wirbelsäule. Schon im nächsten Augenblicke folgten vier oder fünf kurze Piekser. Daraufhin angelte ich mir meine Handtasche und überreichte Elio die Fertigspritze. Er nahm sie entgegen und setzte sich kurz an seinen Schreibtisch. Schnell tippte er etwas in seinen Computer. Scheinheilig fragte ich ihn, ob er mir die Spritze ihn den Oberarm geben konnte. „Fünf Milliliter sind zu viel, du würdest mich dafür hassen“ lautete seine etwas abwesende Antwort. Ich war neugierig geworden, was er so konzentriert an seinem Computer arbeitete, also ging ich zu ihm rüber und stellte mich hinter ihn. Mit ein wenig Entsetzten musste ich feststellen, dass mein Lieblingsarzt, Facharzt für Orthopädie, Leiter einer Abteilung gerade „i.m. Injektionen“ gegoogelt hatte. „Ich hab das schon ewig nicht mehr gemacht, weißt du. Und gerade bei dir will ich nichts falsch machen“ erklärte er mir entschuldigend. In diesem Moment wollte ich einen Rückzieher machen, entschied mich jedoch dagegen. Wie schlimm konnte es schon werden? Ok, es war wirklich schlimm. Elio hat viel zu zögerlich zugestochen, nachdem er meine Brazilian Pantys etwas hinunter geschoben und die Punktionsstelle desinfiziert hatte. Danach hat er den Inhalt viel zu schnell injeziert. Mein erster Gedanke war: er hat einen Nerv getroffen, mein zweiter: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Nachdem ich mich von meinem kleinen Schock erholt hatte, zog ich mich wieder an. Elio stellte mir ein Rezept für ein neues Schmerzmedikament und die Verordnung zur Physiotherapie aus. Zum Abschied küsste er mich wieder auf beide Wangen. Ab jetzt würden wir uns regelmäßig einmal die Woche sehen.

Für jeden neuen Termin wählte ich in Absprache mit Dominik ein sexy Outfit aus. Meist zog ich kurze oder eng anliegende Röcke an, kombiniert mit einem hübschen Top oder einer Bluse. Je nach Wetterlage trug ich halterlose Strümpfe oder auch nichts darunter. Und damit meine ich wirklich nichts.

Mittlerweile behandelte Elio mich mit Akupunktur, was mir auch tatsächlich zu helfen schien. Dafür musste ich mich auf die Untersuchungsliege legen. Beinahe zärtlich fühlte er meinen Puls, um so die optimalen Akupunktionspunkte für meine Beschwerden zu finden. Vorsichtig setzte er die dünnen Nadeln an den entsprechenden Stellen an meinem Körper. Einmal hatte ich einen Abendtermin bei ihm und wusste, dass ich die die letzte Patientin war. Ich wusste auch, dass wir ganz allein in der Ordination waren. An diesem Abend trug ich eine enganliegende schwarze Hose, die auf der Rückseite beider Beine vom Knie abwärts geschnürt war. Dazu ein ebenfalls schwarzes Top mit tiefem Dekolleté, gepaart mit roten High Heels. Elio sah mich verblüfft an, als ich so in seiner Praxis erschien. Nachdem er mich begrüßt hatte, tadelte er mich für meine hohen Schuhe, meinte aber auch gleichzeitig mit einem frechen Grinsen im Gesicht, dass meine Rückenschmerzen sich wohl gebessert haben mussten. „Zieh doch die Hose bitte aus, ich würde heute gerne zwei Nadeln an jedem Knie setzen.“ Erschrocken sah ich ihn an. Erstens, würde das sicher sehr weh tun, zwei Nadeln in jedem Knie – war das sein Ernst? Zweites trug ich an diesem Abend keine Unterwäsche, weil die Hose so eng anliegend war und ich nicht wollte, dass sich mein Tanga darunter abzeichnete. Elio konnte anscheinend meine Gedanken lesen, zumindest den ersten. „Keine Sorge, es tut nicht mehr weh als an den anderen Punktionsstellen und die meisterst du doch auch ganz tapfer“. Einen Moment lang fürchtete ich schon, ich müsste Elio die Wahrheit erzählen und ihm beichten, dass ich heute „commando“ zu unserem Termin erschienen war. Glücklicherweise fiel mir ein, dass ich ja einfach die Hose hinten aufschnüren und hochschieben konnte. Während der Akupunktursitzung musste ich ununterbrochen daran denken, wie er wohl reagiert hätte, wenn ich tatsächlich meine Hose ausgezogen hätte. Wahrscheinlich hätte er so getan, als wäre ihm nichts aufgefallen. Schließlich war er stets professionell und eigentlich auch verheiratet. Ich verbuchte unsere kleine, harmlose Flirterei stets unter dem Gesichtspunkt „bellende Hund beißen nicht“. Doch langsam beschlich mich die Frage, ob Elio nicht doch eines Tages zuschnappen würde. Nach dieser Sitzung wurde mir klar, dass ich vielleicht doch mehr von Elio wollte, als ein bisschen flirten. Diese Gedanken und Gefühle behielt ich jedoch vorerst für mich. Zuerst müsste ich mir im Klaren sein, wie das konkret funktionieren könnte, bevor ich mit Dominik darüber sprechen würde. Da ich so schnell keine Entscheidung treffen konnte, ließ ich zunächst alles beim Alten. Einmal die Woche ging ich weiterhin zur Schmerztherapie und Akupunktur zu Elio in die Praxis. An einem üblichen Freitag schickte er mir eine Whatsapp-Nachricht von seinem privaten Handy mit der Bitte, den Termin vorverlegen zu können. Ich war einverstanden und antwortete ihm auch sogleich. Von da an begannen wir öfter kurze Nachrichten auszutauschen, manche von ihnen völlig harmlos, andere wieder etwas frecher oder frivoler. Eines Donnerstag Abends schrieb er mir: „Und, was ziehst du morgen wieder geiles an? Freu mich schon! ;)“ Diese Worte verursachten ein wohliges Prickeln auf meiner Haut. Am nächsten Morgen hatte ich einen kleinen Autounfall, wobei nur ein Blechschaden entstanden war. Mir war zum Glück nichts passiert. Gut, dass ich an diesem Tag auch nicht arbeiten musste, denn mein Job, damals in einer Gemeinschaftpraxis, gefiel mir überhaupt nicht und ich hatte auch schon meine Kündigung eingereicht.

Als ich am Abend zu Elio in die Ordination kam, war ich nicht so unbeschwert und fröhlich wie sonst. Er schien es zunächst nicht zu bemerken. Während der Akupunktur, setzte er mir eine Nadel, die richtig weh tat. Was sich sonst wie ein kleiner Piekser anfühlte, kam mir jetzt wie ein rasiermesserscharfes, spitzes Ding vor, dass sich durch meine Haut bohrte und und einfach nur höllisch stechende Schmerzen verursachte. Ich jaulte kurz auf, aber Elio meinte nur, das würde gleich besser werden und ich solle den Schmerz veratmen. Stattdessen biss ich die Zähne zusammen und hielt unbewusst die Luft an. Ich war so auf den Schmerz fixiert, dass ich gar nicht merkte, wie einzelne Tränen meine Wangen hinab rollten. „Hey, was ist denn los? Ist es wirklich so schlimm?“, hörte ich Elios mitfühlende Stimme und spürte seine warme Hand an meinem Gesicht. Beschämt versuchte ich meine Tränen wegzublinzeln, um ihn anzusehen. Doch die Tränen wollten einfach nicht versiegen. Der Schock über den Unfall, die starken Schmerzen der letzten Tage, der Ärger über meine eigene Dummheit unter Medikamenteneinfluss Auto zu fahren und der Stress in der Arbeit scheinen mich plötzlich zu überwältigen. Mit einem Schluchzen wischte ich mir mit dem Handrücken über meine Wangen, während er mir bereits ein Taschentuch hinhielt. Dankbar nahm ich es an. „Also, was ist heute los mit dir?“, fragte er mich erneut. „Ich weiß nicht“,antwortete ich kleinlaut. „Vielleicht hat es mit dem Unfall von heute morgen zu tun“, antwortete ich beinahe tonlos. „Was ist denn passiert?“, wollte er wissen. Ich erzählte ihm, dass ich in der früh so starke Schmerzen gehabt hatte, dass ich Tramal-Tropfen eingenommen hatte und danach ein kurzes Stück mit dem Auto gefahren war und wie es zu dem Unfall gekommen war. Betroffen schüttelte er den Kopf und nahm mich zärtlich in den Arme. „Ehrlich Lana, ich mache mir Sorgen um dich“, flüsterte er in mein Haar. Seine Worte waren Musik in meinen Ohren. Auch wenn die Umstände weniger schön waren, gefiel es mir irgendwie, dass Elio sich um mich sorgte. Nach der Behandlung setzte ich mich etwas zu schnell auf, sodass mir schwindelig wurde. Elio eilte sofort an meine Seite und wollte mich schon wieder in eine liegende Postion bringen, doch ich meinte, es würde im Sitzen schon gehen. So saß ich nun auf der Untersuchungsliege während er vor mir stand und mich stütze. Meine Knie berührten seine Oberschenkel. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Schon zum zweiten Mal an diesem Abend kamen wir uns so Nahe wie noch nie zu vor. Von unten sah ich zu ihm auf. In diesem Moment wusste ich es genau, er wollte mich küssen.In diesem Moment trafen seine Lippen auf die meinen. Zunächst erwiderte ich den Kuss. Doch als sich der Überraschungsmoment gelegt hatte, sprang ich auf und verließ die Praxis fast im Laufschritt. Huch, das war ganz schön knapp. Ich musste unbedingt mit Dominik reden.

Wenn ich ehrlich bin, muss ich zugeben, dass ich Domink zunächst den Kuss zwischen mir und Elio verschwiegen hatte. Aber ich sagte ihm, dass ich den Wunsch hegte mit meinem Arzt zu schlafen. Wir kannten uns schon so lange und da war immer diese gewisse Chemie zwischen uns. Ich wusste, den Gedanken an ein Abenteuer mit meinem Orthopäden würde ich wohl nie loslassen können. Da ich auch erst einmal selber verstehen wollte, was hier vor sich ging, begann ich ein bisschen im Internet zu recherchieren. Damit meine ich, dass ich verstehen wollte, warum ich trotz glücklicher Ehe und erfülltem Sexleben fremd gehen wollte. Ich stieß auf diverse Polyamorie- und Bigamiegruppen in den verschiedensten Erotikforen. Obwohl das für mich totales Neuland war, konnte ich gleich zu Beginn ein wenig verstehen, wie Polyamorie-Beziehungen entstehen und funktionieren konnten. Doch eine wichtige Frage musste ich mir selbst stellen: war ich in Elio verliebt? Die Antwort war ein eindeutiges Nein. Ich fand ihn durchaus attraktiv und fühlte mich zu ihm hingezogen. Eine gewisse Schwärmerei hatte ich über die Jahre auch für ihn entwickelt, aber mehr war es nicht. Die Frage nach dem „was wäre wenn gewesen“ schien wie das Damoklesschwert über uns zu hängen. Das wohl viel Verlockendere war wahrscheinlich, etwas Verbotenes zu tun. Einfach so ins Paradies hinzuspazieren, mir den größten und schönsten Apfel zu schnappen und einfach zu genießen. Die Schlange brauchte ich dazu nicht. Wir waren beide verheiratet und standen zusätzlich noch in einer Arzt-Patientin-Beziehung zu einander, das machte den wesentlichen Kick für mich aus. Als ich mir sicher war, dass ich wirklich nur Sex mit ihm haben wollte, keine Affäre und schon gar nichts darüber hinaus, sprach ich wieder mit Dominik. Zunächst wollte ich meinen Mann bitten, ob wir einen Dreier mit Elio haben könnten. Wir hatten erst vor kurzem die Konstellation MMF ausprobiert, aber das ist eine andere Geschichte 😉

Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, Dominik wäre zunächst nicht etwas geschockt von meinen Wünschen gewesen. Wir besprachen verschiedene Möglichkeiten und kamen zu dem Schluss, dass ich Elio allein genießen durfte. Natürlich nur unter der Vorraussetzung, dass ich Dominik über das Geschehene nicht anlog und nur Safer Sex mit Elio praktizierte. Ich konnte gar nicht glauben, wie aufgeschlossen mein Mann war und wir tatsächlich den Sprung wagten, auch unsere Ehe ein wenig zu öffnen. Aus meiner Sicht sollte Dominik die gleichen Vorteile daraus ziehen können wie ich, aber darüber werde ich zu einem anderen Zeitpunkt ausführlich berichten.

Als Nächstes machte ich mir einen neuen Termin bei Elio aus. Offensichtlich erfreut wieder von mir zu hören, nachdem ich das letzte Mal seine Praxis so überstürzt verlassen hatte, bot er mir einen Vormittagstermin in drei Tagen an. Es war ein warmer Herbsttag und die Sonne schien. Ich entschied mich für meinen Jeans-Minirock und eine weinrote Bluse. Als ich mich in der Früh nach dem Duschen schminkte, trat Dominik von hinten an mich heran und küsste meinen Hals. „Pass auf dich, mein Liebling! Ich wünsche dir viel Spass und freu‘ mich schon auf unsere Nachbesprechung“, sagte er und meinte es auch tatsächlich so. „Nachbesprechungen“ hielten wir auch nach unseren gemeinsamen Dates oder Swingerclubbesuchen. Schließen holten wir uns auf diese Art auch neue Ideen und Anregungen. Als ich schließlich fertig war, fuhr ich voller Elan in die Stadt. Die Musik im Radio auf volle Lautstärke aufgedreht, kam ich ohne Stau bestens voran. Ausnahmsweise fand ich sogleich einen Parkplatz, direkt vor Elios Ordination. Im Rückspiegel begutachtete ich nochmals Make Up und Frisur. Perfekt! Ich klingelte also an der Gegensprachenalage und wurde sofort eingelassen. Im ersten Stock angekommen, erwartete Elio mich bereits an der Eingangstür. Er schien sofort den wahren Grund meines Besuchs zu kennen. Schon im Voraum drückte er mich gegen die Wand und begann mich zu küssen. Ich erwiderte seinen Kuss, doch er fiel nicht so leidenschaftlich aus, wie ich es erwartet hatte. Elio war sehr zärtlich. Schon bald spürte ich seine Erektion, wie sie sich gegen meinen Oberschenkel presste. Meine Neugier leitete meine Hand in seinen Schritt. „Nicht schlecht“, war mein erster Gedanke und ich musste unweigerlich grinsen. Elio knabberte zärtlich an meinem Ohrläppchen, während ich seinen Hals küsste, stets darauf bedacht, keine sichtbaren Spuren zu hinterlassen. Irgendwie waren wir bereits in den Behandlungsraum gestolpert. Obwohl er beim Küssen eher langsam, ja beinahe schon zurückhaltend war, umso schneller war er, als es darum ging, mir aus meinen Kleidern zu helfen. Im Nu stand ich nur noch in Unterwäsche vor ihm, während er noch vollständig angezogen war. Ich hatte meine olivgrüne Spitzenunterwäschen angezogen, Push-Up BH und Tanga. Der Fairness halber befreite ich ihn aus seiner Jeanshose. Mit kreisenden Hüftbewegungen streifte er mit seiner Erektion immer wieder gegen meinen Tanga, während er mich umarmte und wieder küsste. Ich fand es irgendwie irritierend oder sogar etwas nervig, dass er mir seine Latte auf diese Art ständig präsentierte. Schon in diesem Moment ärgerte ich mich, dass sich ständig mein Kopf einschaltete und eine Art Vergeichsraster über die Situation legte. Ich wollte doch eigentlich nur ein bisschen Spass und guten Sex haben. Um kleidungsmäßig endlich auf Gleichstand zu kommen, zog ich ihm das Poloshirt aus. Und da war es: das unerwartete, weiße feingerippte Unterhemd – auch bekannt als „wifebeater“. Gedanklich ein fetter Minuspunkt, also schnell weg damit! Am liebsten hätte ich es ihm einfach vom Leib gerissen und in einem der orangenen Mistsäcke verschwinden lassen. Stattdessen landete es zerknüllt auf dem Boden.

Kaum war der weiße Liebestöter verschwunden, musste ich feststellen, dass Elio für einen Mann einen ziemlich schmalen Oberkörper hatte. Das war mir in dem Poloshirt bisher noch nie aufgefallen. Sicherlich hatte auch das Unterhemd einen falschen Eindruck vermittelt. Elio schien nicht zu merken, dass ich etwas abgelenkt war. Er entledigte sich seiner Boxershort – Gott sei dank nicht noch ein Feinrippmodell! Er führte mich weiter zu seinem Schreibtisch. Seine unterste Schublade war bis oben hin mit Kondomen gefüllt. „Ganz gut vorbereitet, der Herr Doktor“, schoss es mir durch den Kopf. Er zog sich das Präservativ selbst über und zog mich zur Untersuchungsliege. „Gleich passiert es, gleich werde ich endlich mit meinem Orthopäden schlafen“. Mittlerweile hatte ich festgestellt, dass Elio bestenfalls durchschnittlich gebaut war. Das musste ja kein Nachteil sein. In einem Film – vielleicht war es „Geschenkt ist noch zu teuer“ mit Tom Hanks? – kam einmal folgender Satz vor:“ Es kommt nicht auf die Größe des Hammers an, sondern wie man damit nagelt“. Ganz nach diesem Motto ließ ich mich also möglichst unvoreingenommen auf das Weitere ein: Sanft drückte er mich auf die Liege. Er stand am Rand, zwischen meinen bereits gespreizten Beinen. Endlich drang er in mich ein, doch die Freude hielt nur kurz an. Nach nur drei Stößen rutschte er ab und nutze ungefragt mein Hintertüchen für einen Neustart.

Jeder, der meinen Blog kennt, weiß, dass ich auf Analsex stehe. Elio gehört wohl eher nicht zu meinen Lesern und daher fand ich diesen abrupten Wechsel schon ziemlich frech von ihm. Gehörte es denn nicht mehr zur guten Stube, mal mit einem Finger vorzufühlen oder vielleicht Gleitgel bereit zu stellen? War ich schon so lange aus der Dating-Szene draußen und es exsitierte keine „Sex-Knigge“ mehr? Konnte man heutzutage schlechtes Benehmen beim Sex nur noch durch „Safe Words“ abwenden?

Wie dem auch sei, ich hätte sowieso keine Zeit mehr für ein Safe Word oder eine Beschwerde gehabt, denn nach weiteren drei Stößen war das Liebesspiel beendet. Schwer atmend beugte sich Eilo zu mir herunter und entschuldigte sich, dass er viel zu schnell gekommen war. Gut, kann doch mal passieren. Die Hormone der letzten Jahre hatten sich einfach aufgestaut, kann frau ja verstehen. Er machte aber dann keinerlei Anstalten, mich noch lecken oder sonst irgendwie verwöhnen zu wollen – für mich ein absolutes No-Go!

Während er sich bereits wieder anzog bot er mir einen Espresso – wohl nur pro forma – an, den ich jedoch ablehnte. Ein freundschaftliches Bussi auf die Wange später fand ich mich auch schon auf der anderen Seite der Türe wieder. Sowohl vor den Kopf als auch aus der Ordination gestoßen stand ich etwas verdattert einen Moment lang auf dem Gang. Eigentlich hatte ich mir eine schöne Siesta mit einem Latin Lover ausgemalt, doch stattdessen hatte ich nur einen billigen Quickie mit Speedy Gonzales.


ENDE

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