Lana kanns nicht lassen

Dominik

Guten Morgen mein Schatz! Ich hoffe, du hast gut geschlafen! Na, wie war euer Mädels-Abend?

10:20 am

Lana

Hab gut geschlafen, sind aber erst um halb fünf ins Bett gegangen 😉

10:22 am

Dominik

Oh, na dann hattet ihr sicher eine Menge Spass 😉

10:22 am

Lana

Naja, sind um ein Uhr morgens zu Tessa ins Krankenhaus gefahren

10:22 am

Dominik

Wieso denn das? Was ist passiert???

10:23 am

Lana und ihre Freundin Nicoletta hatten sich spontan zu einem Mädels-Abend verabredet. Ihre gemeinsame Freundin Tessa hatte, wie schon so oft, wieder mal Nachtdienst in der Notaufnahme des Marienkrankenhauses. Doch das hielt die Freundinnen nicht davon ab, sich Sushi zu Nico nach Hause zu bestellen und einen gemütlichen Filmabend nur zu zweit zu machen. Nach dem Essen gönnten sich die Mädels einen erfrischenden Gin Tonic und plauderten eine Weile über die Neuigkeiten aus ihrem Leben. Als sie endlich den ersten Film einlegten, war es schon recht spät und Lana hatte bereits leichte Kopfschmerzen. „Ok, kein Alkohol mehr für heute“, dachte sich Lana und holte sich dazwischen immer wieder mal ein Glas Wasser aus Nicos moderner Designerküche. Als „Sandy“ und „Danny“ endlich glücklich vereint in einem schönen Cabrio über den riesengroßen LED-Bildschirm flogen, hatte Lana schon fürchterliche Kopfschmerzen. Aber sie wollte noch nicht ins Bett gehen und den lustigen Abend für beendet erklären. Sie hatte sich so auf dieses Treffen gefreut. Einfach mal wieder ein bisschen Zeit weit weg von stinkenden Windeln und Kindergeschrei verbringen, das war ein kleiner Luxus, den sich Lana ab und zu mal gönnte. Also hielt sie noch tapfer durch, obwohl sich schon eine leichte Übelkeit bemerkbar machte. Nico und Lana beschlossen, sich das Remake von „Dirty Dancing“ anzusehen, obwohl sie schon von vornherein auf eine Enttäuschung gefasst waren. Schon nach den ersten 15 Minuten des Films wurde Lana so schlecht, dass sie ins obere Badezimmer eilte und sich möglichst leise übergab. Ob das Erbrechen nur alleine von der fiesen Migräneattacke ausgelöst worden war oder ob es auch an dem furchtbar schlechten Film lag, sei für den Moment erst mal dahin gestellt.

Lana spülte sich gründlich den Mund aus und wischte sich die verlaufene Wimperntusche weg. Sie sah fürchterlich aus. Aber bei dem schummrigen Licht im Wohnzimmer würde das Nicoletta hoffentlich nicht auffallen. Sie ging wieder nach unten und machte es sich auf der gemütlichen Couch bequem. Doch bald wurde sie schon wieder von der hartnäckigen Übelkeit übermannt. „Du Nico, ich bin schon echt k.o., können wir schlafen gehen?“ fragte Lana matt. „Ja klar, der Film ist sowieso nix Besonders“. Lana konnte ihren Brechreiz noch so lange unterdrücken bis die beiden Frauen oben im Doppelbett lagen. Dann gab sie schließlich zu, extreme Kopfschmerzen zu haben. Daraufhin eilte sie ins Bad und knallte die Tür hastig hinter sich zu. (Die Details hierzu erspare ich euch lieber)

„Nico, bist du noch wach?“, wollte Lana von ihrer Freundin wissen, als sie nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aus dem Badzimmer zurück gekrochen kam. „Ich bin noch voll fit. Warum?“, kam prompt Nicos Antwort. „Können wir bitte zu Tessa in die Notaufnahme fahren? Sie hat ja heute Dienst und kann mir sicher eine Infusion oder so anhängen.“ „Ist es echt so schlimm?“, fragte Nicoletta besorgt nach. „Hast du denn deinen Migränespray nicht mit?“. „Nein. Ich hab‘ heute Handtaschen umgeräumt und ihn wohl vergessen.“, gab Lana beschämt zu. „Ok, na ich zieh mich schnell an und dann können wir los.“, meinte Nico und rollte sich aus dem Bett. Sie hatte die Angewohnheit, nur in Unterwäsche zu schlafen. Lana, die ein peinliches T-Shirt mit bunten Donuts und einer Pyjamahose mit der Aufschrift „Juicy“ quer über ihren Hintern trug, bat Nico noch um einen weiteren Gefallen: „Kannst du dir bitte auch nur irgendeine Schlabberhose anziehen?“ Nicoletta musste unwillkürlich lachen. Selbst in solchen Situationen verlor Lana niemals ihren Humor. Die fesche Blondine entschied sich jedoch für eine enganliegende Jeans und ließ ihre Freundin somit modemäßig im Stich. Doch das war Lana egal. Sie wollte nur, dass die Kopfschmerzen und die Übelkeit endlich aufhörten.

Zum Glück war das Krankenhaus von Nicos Zuhause nicht weit entfernt. Schon nach einer zehnminütigen Fahrt mit dem Auto hatten die jungen Frauen ihr Ziel erreicht. In weiser Voraussicht hatte Nicoletta Tessa schon von unterwegs angerufen, um ihr Bescheid zu geben. Die erfahrene Krankenschwester erwartete bereits ihre beiden Freundinnen. „Sag‘, was machst du immer für Sachen?“ begrüßte sie die leidende Lana, als sie zur Türe herein gewackelt kam. „Übrigens, fescher Pyjama!“. Obwohl es Lana ziemlich dreckig ging, antwortete sie schlagfertig: „Wenn du nicht zum Mädels-Abend kommen kannst, dann kommt eben der Mädels-Abend zu dir“. Ein schwaches Lächeln huschte über ihre Lippen. „Komm Lana, wir bringen dich in den Schockraum“, erklärte Tessa und schob ihre Freundin bestimmt einen langen Gang entlang. „Was heißt denn Schockraum? So schlimm ist es nun auch wieder nicht! Außerdem, was ist wenn ein echter Notfall rein kommt?“, protestierte Lana. „Keine Panik! Der ist offiziell gesperrt, weil das Beatmungsgerät defekt ist. Außerdem kannst du dich da hinlegen und musst nicht im Warteraum neben den ganzen Simulanten sitzen.“ Tessa war eine echte Ambulanzschwester wie sie im Buche stand. Resolut und schlagfertig, mit dem Herz am rechten Fleck. Letzteres wusste Lana genau in dieser Situation sehr zu schätzen.

Kaum lag Lana auf der Krankenliege, musste sie schon unwillkürlich daran denken, wer wohl zuletzt darauf gelegen hatte und ob die Liege auch tatsächlich desinfiziert worden war. Tja, einmal Schwester, immer Schwester. Selbst als Patientin konnte sie es nicht ablegen. Im nächsten Augenblick rollte Tessa einen voll beladenen Infusionsständer heran. „So, dann zeig‘ mal, was du hast“, forderte die Ambulanzschwester ihre Freundin auf und machte sich sogleich auf die Suche nach einer geeigneten Vene für einen Zugang. Heimlich, still und leise versuchte sich Nico aus dem Staub zu machen. „Hey, wo willst du hin?“, fragte Lana, der Nicolettas schwacher Fluchtversuch nicht entgangen war. „Ich hab’s nicht so mit Blut. Ich kann da nicht zuschauen.“, rechtfertigte sich Lanas Freundin. „Bitte komm wieder her, ich brauch‘ jemandem zum Hand quetschen, ich hab‘ echt Panik vor Nadeln“, gab Lana zu. „Was bist denn du für eine Krankenschwester? Du kannst doch nicht Angst vor Nadeln ha

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ben“, meinte Nico amüsiert. „Als Patientin ist das aber was Anderes“, wandte Lana ein. Nico hatte ein wenig Mitleid und kam wieder zurück zum Händchenhalten. Lana kniff fest die Augen zu, obwohl Schwester Tessa gerade mal die rechte Ellenbeuge desinfiziert hatte. „Au, au, au!“, jaulte Lana schon. „Ich hab‘ doch noch gar nichts gemacht“ bemerkte Tessa trocken. „Ich weiß, das war prophylaktisch“, gab Lana kleinlaut zu. „Ärzte und Krankenschwestern sind wirklich die schlimmsten Patienten“, meckerte Tessa und versenkte währenddessen den rosafarbenen Venflon in Lanas Ellenbeuge. „Au, au, au!“, jammerte Lana wieder lauthals, während sie Nicos Hand beinahe zerquetschte. „Jetzt bist du aber zu spät dran. Ist doch schon längst wieder vorbei.“, erklärte Tessa und konnte sich dabei ein Grinsen nicht verkneifen. „Oh. Okay. Hast eh gut gestochen“, antwortete die Patientin verlegen. „Und was bekommt unsere liebe Lana da Schönes von dir?“, wollte die etwas bleiche Nicoletta wissen. „Perfalgan®, Zofran® und Vertirosan®.“ „Na Mahlzeit, das klingt nach sehr viel Chemie“, war Nicos Kommentar zu der verordneten Therapie. „Klar hört sich das für dich nach viel an, du hast ja nicht mal eine Hausapotheke!“, brachte Lana leicht vorwurfvoll heraus. Nico ignorierte dies.

Lana döste immer wieder mal kurz ein, bekam jedoch trotzdem das meiste um sie herum mit. Wann immer Schwester Tessa einen Moment Zeit hatte, sah sie nach ihrer Patientin und unterhielt sich kurz mit Nico. Als ein älterer Mann mit der Rettung in die Notaufnahme gebracht wurde, musste Tessa wieder ihrer Arbeit nachgehen. Die Tür zum Behandlungsraum nebenan war nicht ganz zu und so konnte Lana gut hören, was gesprochen wurde. So erfuhr sie, dass der alte Mann dringend ein MRT brauchte, aber dafür ins nächst größere Krankenhaus gebracht werden musste. Nachdem das Marienkrankenhaus ein eher kleines Spital war, wurde am Wochenende und in der Nacht die Röntgenabteilung nicht besetzt. Als der Patient vom Rettungsdienst abgeholt worden war, kümmerte sich Tessa wieder um Lana. „Geht’s dir schon besser?“. „Naja, das Kopfweh ist schon ein bisschen besser, aber mir ist immer noch so schlecht.“, klagte die Patientin. Die Krankenschwester ging wieder nach nebenan, um das weitere Procedere mit dem Doc zu besprechen. Persönlich hatte Lana während ihres Aufenthaltes in der Notaufnahme keinen Arzt zu Gesicht bekommen. War aber auch nicht nötig, denn Tessa hatte alles unter Kontrolle. „Ich häng‘ dir noch ein Novalgin® an.“, sagte Tessa und bereitete schon die nächste Infusion vor. „Mir ist aber mehr schlecht, als dass ich noch Schmerzen habe.“, protestierte Lana. „Wenn deine Kopfschmerzen kuriert sind, wird auch die die Übelkeit garantiert vergehen.“, erklärte Tessa bestimmt. „Aber darf sie dieses Medikament überhaupt nehmen? Du weißt schon, wegen ihrer Stoffwechselerkrankung.“, mischte sich Nico fürsorglich ein, der ein diesbezügliches Detail von ihrem langen Gespräch mit Lana vorher gerade eingefallen war. „Gute Frage. Ich bin mir nicht ganz sicher, ich kläre das mal schnell mit dem Arzt.“, war Tessas Antwort und schon war sie wieder im Nebenraum verschwunden. Lana funkelte Nico böse an und dachte sich nur „Halt doch bitte die Klappe, ich will die guten Drogen haben“. Sie sprach diesen Gedanken jedoch nicht aus, weil sie ganz genau wusste, dass es ihre Freundin nur gut gemeint hatte.

Kaum hatte sie die Kurzinfusion angeschlossen, bekam Tessa einen Anruf. Herr Schneider würde jeden Moment mit der Rettung hier eintreffen und sollte sofort stationär aufgenommen werden. „Hey Marc, wer ist der Herr Schneider und warum sollen wir ihn aufnehmen?“, rief die Krankenschwester zum Arzt im anderen Behandlungsraum. „Das war der alte Mann, den ihr für das MRT in die Zentralklinik geschickt habt“, antwortete Lana schneller als der Oberarzt. „Ah, danke.“, gab Tessa verwundert zurück. „Ich habe geglaubt, sie döst die ganze Zeit.“, flüsterte sie Nico zu. „Ich kann euch hören!“, meldete sich Lana zu Wort. „Na offensichtlich geht’s dir jetzt endlich besser.“, stellte Tessa zufrieden fest. Lana versuchte sich auf der Liege aufzusetzen, musste sich jedoch gleich wieder hinlegen, weil ihr plötzlich schwindelig geworden war. „Bleib liegen. Ich messe dir schnell den Blutdruck.“, kündigte Tessa an und schon im nächsten Augenblick hatte die Patientin die Manschette um ihren linken Oberarm liegen. Für ihren Geschmack pumpte das Gerät viel zu stark auf. Eine manuelle Messung war da wesentlich angenehmer. „129/89, das ist okay“, kommentierte Tessa das Messergebnis. „Ja, ich weiß“, gab Lana zurück. Die beiden Freundinnen tauschten einen vielsagenden Blick und mussten beide lächeln.
„Tessa, befrei‘ mich mal bitte von dem Schlauch hier. Nach den vielen Infusionen muss ich dringend mal aufs WC.“ Auf wackeligen Beinen schleppte sich Lana zur Toilette und wieder zurück. „Ich würde jetzt gern zu Nico nachhause fahren und schlafen.“, meinte Lana erschöpft. „Gut, ich klär das mit dem Doc.“, antwortete Tessa und ging nach nebenan. Einen Moment später kam sie wieder zurück. „Geht klar, aber Nico fährt“ sagte Tessa streng und war schon dabei, den venösen Zugang in Lanas Arm zu entfernen. Die zwei Freundinnen verabschiedeten sich noch von Tessa und dankten ihr für die Hilfe. Anschließend machten sie sich auf den Heimweg.

Zuhause angekommen ließen sie sich erschöpft ins Bett fallen. „Was für ein Abend“, meinte Nico und schlüpfte unter ihre Decke. Lana nickte zustimmend. „Aber immerhin können wir behaupten, dass wir fast die ganze Nacht durchgemacht haben“, warf Lana ein. „Stimmt“, bestätigte Nico woraufhin die beiden Frauen unmittelbar einschliefen.


Ende

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